Brasilianischer Präsidentschaftskandidat Amoêdo: Bitcoin könnte legales Zahlungsmittel werden

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

Quelle: shutterstock

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Nach Ansicht des Präsidentschaftskandidaten João Amoêdo könnte Bitcoin in Brasilien bald legales Zahlungsmittel werden. Von rechtlicher Seite aus stehe diesem nichts im Wege. Zudem könne die Blockchain helfen, die unter Korruption ächzende öffentliche Verwaltung des Landes zu verbessern. Dies erklärt der Kandidat der Neuen Partei (Partido Novo) kürzlich gegenüber dem brasilianischen Branchendienst Portal do Bitcoin. Im Oktober wählt Brasilien einen neuen Präsidenten, indes läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Zwar befindet sich das Land derzeit vielerlei Ansicht nach in einer Phase des Umbruchs gegenüber alten Strukturen und Vetternwirtschaft, große Chancen sind dem relativ unbekannten Kandidaten dennoch nicht einzuräumen.

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Im größten Land Südamerikas liegt der Handel mit Kryptowährungen derzeit voll im Trend. Dies will Präsidentschaftskandidat João Amoêdo der Partido Novo in seinem Wahlkampf nutzen. Im Interview mit dem heimischen Branchendienst Portal do Bitcoin betont er, Bitcoin könne ohne Zögern als legales Zahlungsmittel genutzt werden.

„Ich habe keinen Zweifel, dass Bitcoin als legale Zahlungsmethode genutzt werden kann. Wenn beide Parteien ein Produkt über Bitcoin austauschen wollen, sehe ich keine rechtlichen Hindernisse dafür“,

so Amoêdo. Eine Bedrohung für das traditionelle Bankenwesen sehe er in Kryptowährungen nicht. Vielmehr hätte es große Vorteile, Verbrauchern ein alternatives Zahlungsmittel anzubieten. Dennoch müsse klar sein, dass Brasilien eine eigene Währung, den Real, habe, erklärt er im Interview.

Ähnlich offen gibt sich der wirtschaftsliberale 55-Jährige gegenüber kommender Regulierungsanstrengungen und der Herausgabe neuer Kryptowährungen, sogenannter ICOs. Hier gelte es zwar, mithilfe grundsätzlicher Leitlinien Sicherheit zu schaffen. Dennoch dürften wachsende Potentiale nicht erdrückt werden.

„Es ist am wichtigsten, einen institutionellen Rahmen zu gewährleisten, der mehr Sicherheit für Investoren, Unternehmen und sogar politische Entscheidungsträger schafft. Ich halte es für verfrüht, strenge Regeln zu definieren“,

umreißt er seine Haltung gegenüber möglichen Marktbeschränkungen im Kryptosektor.

Blockchain als Schlüsseltechnologie für die öffentliche Verwaltung

Optimismus beweist Amoêdo zudem im Bereich genereller Blockchain-Anwendung im brasilianischen Staatswesen. So sieht er neben der Nutzung zur Kontrolle von Lieferketten große Anwendungsmöglichkeiten für die öffentliche Verwaltung. Hier könne die Blockchain-Technologie das Vertrauen der Bürger stärken und  zu mehr Integrität führen.

„Wenn wir über den Tellerrand schauen, was ist ein Standesamt, ohne öffentliches Vertrauen? In diesem Sinne könnte die Blockchain Probleme wie Immobilienregistrierung, Dokumentenauthentifizierung, Signaturerkennung leicht lösen“,

ist sich der Ex-Bankenberater sicher. Mögliche Anwendungsfelder sehe er zudem im Bereich digitaler Identitäten und Wahlen.

Brasilien im Umbruch

Dass solche Investitionen in das Vertrauen der Bürger immer wichtiger zu werden scheinen, zeigt der Blick auf den derzeit intensiv geführten Wahlkampf. Denn wichtiges Thema nahezu aller Kandidaten ist die Bekämpfung der hausgemachten Korruption, unter der besonders die öffentliche Verwaltung seit Jahren ächzt.

Justiz und Behörden gehen derzeit im Zuge der Operation Waschstraße entschieden gegen die Vetternwirtschaft im Land vor. Das bisher prominenteste Opfer der Ermittlungen ist der von 2003 bis 2010 amtierende, im Volk beliebte Ex-Präsident Lula. Aufgrund von Korruptionsvorwürfen erwartet ihn zurzeit eine zwölfjährige Haftstrafe.

Dennoch wünschen sich derzeit die meisten Brasilianer Lula als Präsidenten. Ob der 72-Jährige in diesem Jahr kandidieren darf, ist noch unklar. Dies öffnet Außenseitern neue Chancen – vor allem mit Blick auf die im Land geltende Wahlpflicht.

Der noch jungen Partido Novo und ihrem Kandidaten Amoêdo werden jedoch verschwindend geringe Aussichten eingeräumt.  Umfragen zufolge liegt derzeit der rechte Jair Bolsonaro (15 Prozent) auf Platz zwei, gefolgt von der Grünen Maria Silva (sieben Prozent). Zudem bekleidet Amoêdos Partei derzeit keine parlamentarischen Mandate.

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