Bobby Lee: 95 Prozent der ICOs sind keine Blockchain-Projekte

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Quelle: Incentive trap and corrupt leader business concept as a group of people running towards a carrot tied to a liar nose and fooled into fall off a cliff as a metaphor for entrapment.

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In einer Serie an Tweets hat Bobby Lee die aktuelle „Blockchain statt Bitcoin“-Haltung kritisiert. Nach dem ehemaligen CEO von BTCC, einer der ältesten Bitcoin-Börsen, sind 95 Prozent der ICOs keine Blockchain-Projekte. Ihnen ginge es, auch wenn sie anderes behaupten, nur um die Entwicklung einer Datenbank. 

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2019 11:07 Uhr von Andre Winterberg

Nicht nur außerhalb der Kryptoszene, auch innerhalb derselben gibt es Kreise, die eine „Blockchain statt Bitcoin“-Haltung an den Tag legen. Von diesen Kreisen wird kritisiert, dass die Transaktionsgeschwindigkeit von Bitcoin zu langsam sei oder dass die Transaktionsgebühren zu hoch seien. Noch einen Schritt weiter gehen jene Kreise, die zugunsten einer Abgrenzung von der Distributed-Ledger-Technologie sprechen. Nicht selten handelt es sich dabei um Vertreter von Projekten, die ohne eine Public Blockchain arbeiten. Der Grad an Dezentralität ist bei solchen Projekten deutlich kleiner als der von Bitcoin oder vielen anderen Kryptowährungen.

Ohne das Skalierungsproblem kleinreden zu wollen – die Hauptintention hinter der Blockchain wird gerne vergessen: Die Blockchain ist eine Datenstruktur, mit der die Dezentralität eines Ökosystems garantiert wird. Etwas entsprechendes hat Andreas Antonopoulos am 12. Mai in Warschau betont. Er ist mit dieser Haltung nicht allein; Jimmy Song und Jonathan Corgan haben jüngst in ähnliche Richtungen argumentiert.

Bobby Lee: Datenbanken sollen sich nicht Blockchain nennen

Diesen Kritikern der „Blockchain statt Bitcoin“-Haltung schloss sich nun Bobby Lee an. Bobby Lee ist der ehemalige CEO und Co-Founder der chinesischen Bitcoin-Börse BTCC. Außerdem ist er ein Board Member der Bitcoin Foundation. Eine etwas kontroverse Berühmtheit erlangte er durch sein leidenschaftliches Eintreten für das New York Agreement. So war seiner Meinung nach die angestrebte Segwit2X-Fork der „wahre Bitcoin“.


Zusammenhängend mit der angesprochenen Debatte kritisierte Bobby Lee, dass nicht wenige Projekte sich mit dem Begriff Blockchain schmücken, unter der Haube jedoch eine normale Datenbank sind. Seiner Meinung nach ist ein ignorierter Aspekt der Blockchain durch die dezentrale Verifizierbarkeit definiert:

Alle Daten innerhalb der Blockchain müssen unabhängig und öffentlich verifizierbar sein.

Wie er zu Zero Knowledge Proofs und anonymen Kryptowährungen wie Monero steht, kann man der Debatte leider nicht entnehmen. Ihm geht es jedoch eher darum, dass in wirklichen Blockchains jeder eine Full Node eröffnen kann und so im Vollbesitz der Daten auf der Blockchain ist.

95 Prozent der ICOs wollen Datenbanken und keine Blockchains entwickeln

Noch extremer ist Bobby Lees Aussage zu ICOs. Seiner Meinung nach gehe es einem Großteil dieser um Datenbanken und nicht um Blockchains. Daran hätte er nichts auszusetzen, sind Datenbanken doch für viele Anwendungsfälle sinnvolle Datenstrukturen.

Was Bobby Lee stört, fasst er unter dem Begriff „intellektuelle Unehrlichkeit“ zusammen. Seiner Meinung nach nutzen viele ICOs den Begriff Blockchain nur aus Marketing-Gründen.

Leider führt Bobby Lee keine Beispiele für derartige ICOs an. Ein wenig kann man es jedoch nachvollziehen, sind doch die Ökosysteme um ICOs extrem zentralisiert. Wenn außerdem die angestrebte „Blockchain“-Lösung von einer übersichtlichen Zahl von Super-Usern vollkommen kontrolliert werden soll, fehlt die Möglichkeit der unabhängigen und öffentlichen Bestätigung. Bei allen Fragestellungen wie Effizienz, anvisierten Transaktionskosten oder möglichen Partnerschaften sollte eine kritische Betrachtung der Dezentralität deshalb immer zur eigenen kritischen Untersuchung eines Assets gehören.

BTC-ECHO


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