SWIFT: Blockchain wird nicht den Wertpapierhandel dominieren

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Es ist nichts Neues, dass die Blockchain-Technologie den Wertpapierhandel enorm optimieren kann, indem sie Vermittler bzw. Drittakteure überflüssig macht.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Mark Preuss

Allerdings hat die SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), eine Organisation, die den Transaktionsverkehr von Banken steuert, einen Bericht veröffentlicht, der genau dies anzweifelt. Demnach wird die Blockchain-Technologie Drittanbieter nicht ersetzen können, selbst dann nicht, wenn es zu einer kompletten Neustrukturierung von Geschäftsprozessen entlang verschiedener Wertpapierhandelsunternehmen kommt.

Die Kernaussagen des Berichts stammen aus Interviews und Fokus-Gruppen, die mit 75 Vertretern aus dem Bereich Wertpapierabwicklung, durchgeführt worden sind. Diese äußern zwar, dass sie ihre Rolle in der Wertpapierabwicklung neu überdenken müssen, eine existenzielle Gefährdung sehen sie hingegen nicht.


Michael Mainelli von der Z/Yen Group und Co-Autor des Berichts äußerte:

“Die Herausforderung in der Nutzung dezentraler Kontenbücher im Wertpapierhandel besteht nicht nur im demonstrieren technologischer Machbarkeit, sondern auch in der Koordinierung von Geschäftsprozessen zwischen den Abwicklungsgesellschaften.”

Laut dem Bericht “The Impact and Potential of Blockchain on the Securities Transaction Lifecycle” kann die Blockchain bzw. können dezentrale Kontenbücher die Kosten für die Wertpapierabwicklung von derzeit jährlich 40 Milliarden US-Dollar erheblich senken.

Gleichzeitig hob der Bericht die Gefahren von übertriebenen Erwartungen, wie sie bei neuen Technologien üblich sind, hervor.

Einige Rollen sind unersetzbar

Nach der vom SWIFT-Institut durchgeführten Studie, die dabei von der Loughborough Universität unterstützt wurde, ergaben sich aus den Interviews zwei Grundansichten.

Die Autoren der Studie argumentieren, dass einige von der Blockchain erwarten die Funktion der Wertpapierabwickler zu ersetzen. Die Technologie soll dabei nicht nur für Sicherheit sorgen, sondern auch die Transaktionshistorie aufzeichnen, sowie als Instrument der Streitschlichtung dienen.

Allerdings ist die Blockchain nicht in der Lage Vermittler bzw. Drittakteure hinsichtlich der Existenzbestätigung von Wertpapieren zu ersetzen.

So heißt es im Bericht:

“In der realen Welt können dezentrale Kontenbücher nicht die Notwendigkeit von Drittparteien ersetzen. Ein zentraler Dritter Akteur wird benötigt, um Identitäten zu bestätigen und das Existieren von Wertgegenständen notariell zu beurkunden. Darüber hinaus wird eine zentrale Regelungsstelle gebraucht, um Streit zu schlichten und die Rechtsprechung anzuwenden.”

Ein kostenintensiver Prozess

Der gegenwärtige Rahmen der Wertpapierabwicklung, bezüglich Verantwortlichkeiten und Zugang, wird von allen Teilnehmern und Akteuren gut verstanden und ist klar geregelt.

Werden nun diese Strukturen und Funktionsweisen durch die Blockchain ersetzt kann sich das als sehr problematisch erweisen. Schließlich können dezentrale Kontenbücher nur schwer die gesamte prozessuale Logik der Wertpapierabwicklung nachvollziehen.

Der Bericht fährt fort, dass diese Umstellung zwar nicht unmöglich sei, aber mit hohen Kosten verbunden wäre.

Auf Grundlage der Interviews ist es wenig überraschend, dass eine genehmigungspflichtige Blockchain einer genehmigungsfreien Blockchain vorgezogen wird.

So heißt es im Bericht:

“Eine wichtige Erkenntnis liegt für uns in der Verfügbarkeit von ‘Konfigurations-Dateien’, um den kryptographisch gesicherten Zugang zu kontrollieren und Teilnehmer der Blockchain mit Rechten zu versorgen.”

Vereinfacht gesagt geht es darum das Ganze so zu steuern, dass nicht jeder alles sehen und machen kann.

Hindernisse

Laut dem Bericht haben durch die starke Vernetzung des Wertpapierhandelssystems einzelne Veränderungen in einem Bereich Auswirkungen auf ganz andere Bereiche des Wertpapierhandels. Gemäß dieser Interdependenzen würden nicht alle von der Blockchain profitieren.

Ein Beispiel in dem Bericht bezieht sich auf das Konsortialkreditgeschäft, das 20 oder mehr Tage, aufgrund der rechtlichen Komplexität, dauern kann.

Diese wechselseitigen Abhängigkeiten einzelner Akteure im Wertpapiergeschäft werfen laut Bericht Fragen für die großen Finanzinstitutionen auf.

Anstatt sich auf spezifische Applikationen zu konzentrieren sollten die Entwickler im Hinterkopf behalten, dass es viel wichtiger ist grundlegende Änderungen der operationellen Abläufe bezüglich Sammeln, Lagern und Analysieren von Daten zu steuern.

Kommentar von Sven Wagenknecht, BTC-Echo:

Es liegt auf der Hand, dass die Teilnehmer der SWIFT-Studie, welche aus dem Bereich Post-Trade kommen keine neutrale Position in der Blockchain-Debatte einnehmen. Schließlich gefährdet die Blockchain-Technologie viele Jobs in der Wertpapierabwicklung und im Compliance-Bereich. Die Argumente, die gegen die Blockchain ins Feld geführt werden sind meines Erachtens nach etwas zu schwammig. Welche Nachteile die Blockchain nun konkret mit sich bringt wird nicht ausreichend ausgeführt.

BTC-Echo

Englische Originalversion von Michael del Castillo via CoinDesk


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