Blockchain wird den internationalen Handel revolutionieren

Jeder redet über das Ende der Banken. Bitcoin als neues Zahlungsmittel. In einem anderen Bereich haben die Banken bereits verloren: Trade Finance. Die wenigsten Verbraucher kennen die Handelsfinanzierung, dabei ist es ein gewaltiger Zweig der Finanzindustrie.  Das globale Marktvolumen liegt bei rund 3 Milliarden Dollar jährlich. Es könnte zehn Mal so groß sein. Einzig: Die Banken schaffen es nicht.



Trade Finance wird das Bindeglied zwischen der digitalen und analogen Welt. Wir verschiffen jedes Jahr mehr Güter rund um den Globus als je zuvor. Wir importieren und exportieren riesige Mengen an Waren. Dabei sind die Handelspartner, etwa in Fernost, oft nicht persönlich bekannt. Soll nun der Lieferant zuerst die Ware verschicken oder der Empfänger zahlen? Es herrscht Unsicherheit. Bislang fungieren Banken als vertrauenswürdiger Intermediär. Beide Handelspartner schalten ihre Bank ein, die garantieren die Zahlung. Alle sind glücklich! Fast. Der Service ist sehr teuer und langsam. Dokumente werden durch die Welt geschickt. Jeder Zettel wandert durch zahlreiche Hände. Schnell geht anders.

Die erste private Blockhain für Trade Finance

Das Unternehmen Brighann Cotton versicherte eine Lieferung aus Texas nach Qingdao (China) in 2016 erstmal über eine private Blockchain. Beide Parteien verfolgen die Lieferung in real-time. Niemand muss mehr Papiere überprüfen, ob der Container wirklich am Hafen angekommen ist. Kein Papierkram, weniger Unsicherheit.

Bei den Banken entfallen viele Einzelschritte, die bislang händisch von Angestellten umgesetzt wurden. Jeder Schritt ist extrem fehleranfällig. Der kleinste Fehler bedeutet im Zweifel, dass die Garantie der Bank hinfällig wird.

Cameron Austin, General Manager of Brighann Marketing Inc sagt dazu: „Die Vorteile von geringeren Kosten und erhöhte Sicherheit durch die Reduzierung von Fehlern, Risiko und Zeit, erlaubt es Unternehmen effizienter zu werden.“

Es gibt unterschiedliche Entwürfe für die Blockchain. IBM Research hat einen privaten Ansatz vorgestellt, in dem jeder Teilnehmer nur das Nötigste sieht. Die Kunden gehen noch immer den Weg über die traditionellen Banken. Einzig die bislang notwendigen Dokumente entfallen.

Einige Start-ups experimentieren mit einer völlig transparenten Blockchain, in der jeder alles einsehen kann. Auf kurz oder lang wären Banken an diesem Prozess nicht mehr beteiligt.

Die Vorteile sind eindeutig: Die Daten sind unveränderbar gesichert, eine nachträgliche Manipulation wird ausgeschlossen. Dokumente können nicht mehr verloren gehen oder auf unerklärbare Weise verschwinden. Bislang ein leidiges Problem. Das alles kostet Gebühren, eine Menge Nerven und insbesondere kostest es Zeit.

Regulierung verlangsamt Innovationen

Die immer striktere Regulierung erschwert Banken das Geschäft zunehmend. Die Abkommen Basel II und III der G10-Staaten fördern langfristige Risiken über kurzfristige Verbindlichkeiten. Trade Finance umfasst jedoch oft Finanzierungen von einigen Wochen bis Monaten. Die Handelsfinanzierung wird damit weniger profitabel. Naturgemäß verlieren somit zuerst kleinere Unternehmen den Zugang zum Markt. Dabei entscheidet eine Lieferung eines mittelständischen Unternehmens manchmal über ein erfolgreiches oder verlustreiches Jahr. Große Unternehmen besitzen mehr Marktmacht (verlangen Vorkasse) und verkraften Verluste besser.

Zusätzlich erschweren strenger werdende Know-Your-Customer (KYC) Regeln den internationalen Handel. Banken müssen ihre Kunden und deren Geschäftsmodell kennen und verstehen. Das betrifft Privatkunden, Firmen und Partnerbanken. KYC soll die Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche unterbinden. Der Aufwand dafür steigt zuletzt stark an. Die neue Anti-Geldwäsche-Richtline der Europäischen Union soll diese Regeln nun auch auf Kryptowährungen ausweiten.

Kritisch wird es in großen Ländern wie Iran und Russland, die von mehreren internationalen Sanktionen belegt sind. Der Handel ist nicht generell verboten, aber eingeschränkt. Was erlaubt, was verboten ist, gleicht einem Minenfeld. Niemand weiß, ob morgen noch gilt, was heute vereinbart wurde. Viele Banken winken aus Angst vor empfindlichen Geldstrafen ab. Das schadet Unternehmen, die gerne legale Produkte verschicken würden. Ihre Hausbank kann sie dabei nicht unterstützen.

Ein offenes System ist gut für den Handel

Ein unabhängiges Distributed-Ledger-System wäre neutral. Jeder bekommt Zugriff und kann die Bedingungen individuell mit seinem Vertragspartner aushandeln. Geringe Kosten ermöglichen so auch Kleinunternehmen ihre Waren zu versichern und exportieren. Niedrigere Einstiegsbarrieren (insbesondere geringe Kosten) ermöglichen es einer Vielzahl von Unternehmen ihren Export sicherer zu gestalten. So wächst das Marktvolumen von Trade Finance enorm an.

Die rasante Entwicklung des Internet-of-Things ermöglicht den weltweiten Versand besser zu verfolgen und die Qualität zu überwachen. Wenn die Entfernung zu weit ist und das Vertrauen zum Handeln nicht immer ausreicht, ist Transparenz die beste Alternative.

Derzeit gilt es noch viele Hürden zu überwinden. Die Banken fürchten ein milliardenschweres Geschäft zu verlieren. Junge Start-ups haben es schwer in den abgeschotteten Markt zu drängen. Die Regulierung erleichtert ihnen einen Einstieg bislang nicht. Zu viele offene Fragezeichen und Unsicherheiten stehen im Raum. Der erste Schritt ist aber bereits gemacht.

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Über Tim Stockschlaeger

Tim StockschlaegerTim Stockschläger studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig. Im Bachelor schrieb er Artikel für verschiedene Magazine und Tageszeitungen. Nach dem Studium arbeitete er zunächst für die Deutsche Bank und ist nun freiberuflicher Autor und Berater. Im Fokus dabei: Der rasante Wandel der Finanzindustrie.

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