Blockchain-Use-Cases in der Industrie: Es muss nicht immer eine Public Blockchain sein

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Gerade dann, wenn die Kurse am Kryptomarkt orientierungslos vor sich hin pendeln, bietet es sich an, einen Blick auf die Blockchain-Adaption in der Industrie bei etablierten Nicht-Blockchain-Unternehmen zu werfen. Sind es schließlich doch die großen Dow-Jones- und Dax-Konzerne, die bereitwillig über Blockchain-Pilotprojekte berichten. Dabei stellen sich grundsätzlich zwei Fragen: Wie öffentlich sind die Blockchain-Use-Cases? Und: Wie ernst werden diese von den Unternehmen forciert? Oft liegt der Verdacht nahe, dass es sich primär um Marketing handelt.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Blockchain-Pressemitteilung von großen Unternehmen. Ganz gleich ob Volkswagen, Gazprom oder Maersk; in jeder Branche finden sich Pilotprojekte. Vor allem eine Branche sticht hervor: Logistik. Denn in keiner anderen Branche finden sich Blockchain-Use-Cases, die eine größere Chance auf eine baldige kommerzielle Implementierung haben. Schließlich sind im Warenhandel unzählige Akteure aus unterschiedlichsten Ländern an der Wertschöpfungskette beteiligt. Das Vertrauen von Mittelsmännern und Bürokratie auf eine Blockchain-Infrastruktur zu verlagern, birgt außerdem ein enormes Einsparungspotential für Unternehmen.

In der Praxis

Um zu veranschaulichen, wie Logistikprozesse über eine Blockchain abgewickelt werden können, lohnt ein Blick auf die Blockchain von IBM. Anhand einiger Demobeispiele wird einfach dargestellt, wie eine Blockchain sinnvoll eingesetzt werden kann, wenn Waren von A nach B verschifft werden. Schaut man sich zudem die unzähligen Forschungskooperationen mit Universitäten, Konsortien und anderen Unternehmen an, dann wird schnell klar, dass es sich hierbei nicht nur um reines Marketing handelt. Der Wettlauf um Blockchain-Industriestandards hat bereits begonnen, weder IBM noch SAP kann es sich hier leisten, den Anschluss zu verlieren.


Bei den diversen Industrie-Blockchains handelt es sich allerdings – zumindest in den meisten Fällen – nicht um öffentlich einsehbare und genehmigungsfreie Blockchains. Doch das ist verständlich. Schließlich liegt es im Interesse wirtschaftlich agierender Unternehmen, nicht zu viele interne und wettbewerbsrelevante Informationen zu veröffentlichen und Kontrolle an unbekannte Akteure abzugeben. Viele Blockchain-Puristen stellen in diesem Kontext den Blockchain-Begriff in Frage. Wie viel Blockchain steckt überhaupt noch in den stark zentralisierten Projekten der Unternehmen? Ist es überhaupt angebracht, hier von Blockchain zu sprechen?

Die Macht der Großen

Natürlich sind die entsprechenden Industrie-Blockchains nicht mit einer Bitcoin-Blockchain vergleichbar – sie bleiben exklusiv. Dennoch wäre es falsch, sie als unnötig abzutun. Es geht dabei nicht nur um die Signalwirkung großer Unternehmen, dass die Blockchain-Technologie ihre Daseinsberechtigung hat. Vielmehr geht es auch darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die innovativere Blockchain-Projekte in Zukunft überhaupt möglich machen. Der Grund, warum sich Politik und einige Regulierungsbehörden immer mehr der Technologie öffnen, liegt nicht nur an den aus ICOs hervorgegangenen Blockchain-Start-ups, sondern auch an den großen Unternehmen, die mit ihrem Einfluss das Thema Blockchain auf die politische Agenda setzen.

Die Chancen, eine blockchainfreundliche Regulierung umzusetzen, sind letztlich größer, wenn DAX-30-Unternehmen statt einzelnen Start-ups die Forderungen an die Politik artikulieren. Dennoch können auch letztere von dem Engagement der großen Nicht-Blockchain-Unternehmen profitieren, wenn diese für eine zuvorkommende rechtliche Grundlage und Offenheit bei den Behörden sorgen.

Eine Dezentralisierung der inkrementellen Schritte

Private Blockchains können als Wegbereiter für öffentliche Blockchains dienen. So zum Beispiel, indem sie technologische Schnittstellen, regulatorische Rahmenbedingungen und Offenheit bei Gesellschaft und Behörden schaffen. Die vielen kleinen Schritte sind auf lange Sicht vielversprechender als der Glaube an den großen Sprung in ein hochgradig dezentralisiertes Ökosystem. Zu Komplex, oftmals unwirtschaftlich und zeitaufwendig ist der Ansatz, innerhalb kürzester Zeit eine vollkommen dezentrale Blockchain-Lösung zu aufzusetzen, die gleichzeitig in der Lage ist, kommerziell erfolgreich zu sein. Gerade große Unternehmen sind oftmals risiko-avers. Entsprechend können kleinere und weniger dezentrale Blockchain-Projekte genau der richtige Weg sein, um den Prozess der Dezentralisierung anzustoßen – kein idealistischer, aber dafür ein pragmatischer Ansatz.

BTC-ECHO


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