Blockchain-App Design und was man von Apple lernen kann

Graphic designer using digital tablet and computer in office or

Steve Ehrlich ist Mitarbeiter und Lead-Analyst bei Spitzberg Partners, eine Unternehmensberatung mit strategischen Beziehungen zu Firmen wie Ming Labs und der Wall Street Blockchain Alliance. Matthias Roebel ist CEO von Ming Labs und Ron Quaranta ist Vorsitzender der Wall Street Blockchain Alliance.

In diesem speziellen CoinDesk 2016 Review erklären Ehrlich, Quaranta und Roebel wie Blockchain-Unternehmen mit Fokus auf User Experience besser auf dem Mainstream-Markt punkten. Für 2017 und darüber hinaus.

Viele Menschen hören das Wort Blockchain und müssen sich sofort eingestehen, dass sie niemals die Vorteile dieser innovativen Technologie nutzen können, da sie entweder “keine Verschlüsselung” nutzen oder nicht programmieren können.

Für einige von uns im Blockchain Sektor ändert sich etwas für 2017. In diesem Jahr gehen wir über das Fegefeuer von Proof-of-Concepts und Pilot-Projekten hinaus. Nun geht es um volle Produktintegrationen und von daher ist es wichtig, mentale Hürden für mögliche Nutzer auszuschließen.

Glücklicherweise ist dies kein neues Problem für die Industrie.

Man kann einfach mal ein paar zufällige Leute auf der Straße ansprechen und fragen, wie das Simple Mail Transport Protocol (SMTP) funktioniert. Im erheblichen größten Teil der Fälle, wird man höchstens einen fragenden Blick bekommen. Auf Anhieb weiß man, dass man einen Knopf drückt und die E-Mail innerhalb von Sekunden beim Empfänger landet.

Welche Bedeutung hat das? Das bedeutet, dass die Nutzer sich nicht auf die Funktionsweise der Blockchain, sondern auf zukünftige Anwendungen fokussieren sollen.

Um diesen Punkt zu erreichen, müssen Blockchain-Anwendungen intuitiv genug für den alltäglichen Nutzer sein. Der springende Punkt ist eine einfache und elegante Benutzererfahrung oder User Experience (UX).

Ein Biss von/vom Apple

Viele von uns kennen Menschen die selbst mit normalen Handys überfordert sind, von Smartphones erstmal keine Rede. Wie viele von uns kennen jemanden, der nicht weiß wie man eine Sprachnachricht abhört?

Man muss dabei im Hinterkopf halten, dass das iPhone mit seiner Einführung im Jahr 2007 nicht das erste Smartphone war. Und doch übernahm es den Markt, da es intuitiv, einfach zu bedienen und reich an Funktionalität war.

Kurzgesagt: es funktionierte.

Apples mehr als 10-jährige Führung entsteht durch die Fähigkeit die Erwartungen der Kunden dauerhaft zu erfüllen. Die Mittel dazu sind prägende Produkte und Technologien, die attraktiv, einfach und ansprechend sind.

Blockchain-Entwickler wären schlau, wenn sie sich den Grundsatz des Cupertino Unternehmens im Hinterkopf behalten.

Auswirkungen für Blockchain

Heutige Blockchain-Entwickler und industrielle Stakeholder sehen sich ähnlichen Herausforderungen wie Apple gegenüber. Sie müssen ihre Kunden aufklären und bestimmte einzigartige Eigenschaften der Blockchain in den Vordergrund rücken. Und doch muss alles so zurecht gerückt werden, dass es für den Nutzer intuitiv und bekannt ist.

Der Fokus sollte nicht darauf liegen, was die Blockchain aus technischer Sicht bietet, denn dieser Weg führt schnell zu “einer Lösung die ein Problem sucht”.

Ali Nazem, Vizepräsident für Unternehmensentwicklung bei der Blockchain-Identity Fima ShoCard, fasst die Herausforderung schön zusammen:

“Der Schlüssel zur Blockchain-Adoption ist es, Anwendungsfälle zu zeigen, die durch die Technologie ermöglicht werden. Nutzer müssen nicht die Komplexität der zugrundeliegenden Technik wissen, sondern nur, dass die Lösung intuitiv und sicher ist.”

Olivier Veyrac, Vizepräsident für Kundenentwicklung beim Zahlungsdienstleister Align Commerce, bestätigte:

“Die meisten Kunden wissen nichts spezielles über die Blockchain-Technologie, alles was sie wirklich interessiert ist, dass sie schnell, nachverfolgbar und einfach zu nutzen ist.”

Veyrac erklärte, dass wenn Kunden Fragen haben, sie ihnen Blockchain erklären und alles Sinn ergibt.

Aber dies ist genau genommen ein anstregender Prozess.

Die Wichtigkeit des Designs

Um Apples Erfolg auf die Blockchain zu übertragen und ein saubereres, sowie angepasstes UX zu bieten, muss man mit dem Produkt oder der Anwendungsoberfläche beginnen (UI).

Die Anwendungsoberfläche ist die Fußmatte, der Rezeptionist, der Verkäufer und Support Mitarbeiter, neben vielen anderen. Zwar werden viele Dienste hinter den Kulissen von Datenbanken und Servern geregelt, doch letztendlich sagt die Anwendungsoberfläche aus, wie sich das Produkt für den Kunden anfühlt.

Wir haben bei Bemühungen ein MVP (Minimum Viable Produkt) oder eine Beta-Version im Blockchain-Bereich gesehen, dass das Design oft nicht als wichtig erachtet wurde. Zwar mag das für manche Produkte auch stimmen, jedoch will niemand wirklich mit einem Kommandozeilen-System auf den Markt gehen.

Weiterhin wird die Messlate auch noch höher gesetzt, gerade bei Blockchain, da hier Geschwindigkeit häufig als Referenzwert gesehen wird.

Angenommen man führt ein Blockchain-basiertes Überweisungssystem. Die Dauer eine Zahlung zu tätigen, sollte die Dauer der Transaktion nicht überschreiten.

Aus unserer Sicht ist es aber suboptimal eine reizende UX zu erstellen, wenn das Back-End schon steht.

Kurzgesagt benötigt man viel Arbeit, um etwas einfach und handlich zu gestalten. Von daher müssen sich Unternehmen in einem frühen Stadium darüber bewusst sein, wie ihre UX Vorstellungen für das Produkt aussehen soll und was das für den Technologie-Stack bis zur Entwicklungsphase bedeutet.

Wo es von hier aus hin geht

Unternehmen im Blockchain-Sektor müssen UX-Entwicklung mit passenden Ressourcen durchführen.

Dies bezieht Marktforschung für bestimmte Nutzervorlieben ein, sowie ein detailliertes Verständnis dafür, wie Kunden die Anwendung nutzen wollen. Wichtig ist es zudem, was die Nutzer am Produkt genossen haben und was sie eher nicht so interessiert hat.

Außerdem ist es für Blockchain-Unternehmen wichtig zu verstehen, dass sie eine breitgefächerte Nutzerbasis haben, die sich über verschiedene Level des technischen Verständnisses und der Expertise erstreckt.

Sobald ein Unternehmen dieses essenzielle Wissen erreicht hat, kann es mit dem richtigen Designprozess beginnen, der Sketching, Prototyping und Tests einschließt. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass man die Bedürfnisse der Kunden befriedigen kann.

Keep it simple

Als Fazit ist es wichtig zu behalten, dass die Blockchain-Adoption mit der Präsentation in einem intuitiven Format einhergeht.

Zwar kann es sich manchmal anfühlen, als sei der Blockchain-Sektor in einem allumfassenden Rennen zum globalen Markt, doch man darf den Design-Prozess währendessen nicht vergessen. Häufig ist es nicht das beste Produkt was gewinnt, oder das mit der besten Technologie, sondern das, welches am leichtesten und einfachsten zu bedienen ist.

Hieraus leitet sich die große Chance für die Blockchain-Industrie im Jahr 2017 ab.

Disclaimer: Die Ansichten in diesem Artikel, sind die der Autoren Ehrlich, Quaranta und Roebel. Sie sind zwangsweise die Ansichten von BTC-ECHO und sollten auch nicht als solche angesehen werden.

BTC-Echo

Englische Originalfassung von Steve Ehrlich, Ron Quaranta und Matthias Roebel via coindesk

Über Danny de Boer

Danny de BoerDanny de Boer arbeitet als Social-Media-Redakteur für BTC-ECHO und ist dabei insbesondere auf die Produktion von Videos und Videoreportagen spezialisiert. Er studiert Medien- und Kommunikationsinformatik an der Hochschule Kamp-Lintfort. Seit Jahren ist Danny großer Verfechter des revolutionären Potentials von Kryptowährungen und konzentriert sich entsprechend auch in seinem Studium auf die Bereiche IT-Sicherheit und Kryptographie.

Bildquellen

  • Graphic designer using digital tablet and computer in office or: © Maksim Kostenko - Fotolia.com