Bitcoin vs. the Krypto-World: Eine Frage der Zentralisierung – die Lage am Mittwoch

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Während sich der Bitcoin-Kurs zu stabilisieren scheint, sieht es auch bei vielen Altcoins relativ gut aus. So verzeichnete Stellar Lumens (XLM) etwa innerhalb der letzten sieben Tage starke Anstiege. Doch wie sieht es mit der Ursprungsidee der Dezentralisierung aus? Lässt man sein Blick über das Ökosystem schweifen, muss man bisweilen die Augen stark zusammenkneifen, um über die Zentralisierung einiger Projekte hinweg sehen zu können.

Der Bitcoin-Kurs hat sich, so scheint es aktuell, vom leichten Einbruch vom Ende letzter Woche erholt zu haben. Das geht bekanntlich schnell: Während einige (Mainstream-)Medien noch über die kurzfristig erreichte 7.000-US-Dollar-Marke berichten, ist der Bitcoin-Kurs schon längst wieder darüber. Nach wie vor stellt sich hier etwa die Frage, inwiefern technische Indikatoren wie etwa das kürzlich erreichte Golden Cross eine Rolle für die weitere Entwicklung spielen. Doch bei all den Analysen sollte man sich auch hin und wieder an den Grundgedanken der Kryptowährung, fernab vom Bitcoin-Kurs erinnern: der Dezentralisierung.


Die Mutter aller Kryptowährungen vertritt dieses Ideal nach wie vor wie keine andere. Schließlich handelt es sich bei BTC um eines der wenigen Projekte, die gänzlich ohne Institution auskommen. Nachahmer gibt es bekanntlich Tausende. Dabei drängt sich eine Beobachtung immer wieder ins Bewusstsein. Hinter einem Löwenanteil der Blockchain-Projekte stehen Initiatoren, CEOs, Partnerschaften und/oder Kooperationen, die gänzlich Richtung Mitte zeigen, anstatt sich auf Dezentralisierung zu konzentrieren.

Abseits vom Bitcoin-Kurs: Von Dezentralisierung keine Spur

Beispiele gibt es aktuell viele. Um direkt eines zu nennen, das die Krypto-Community derzeit aufwühlt: Bitconnect will angeblich in die zweite Runde gehen. Das mutmaßliche Scam-Projekt erleichterte leichtgläubige Geldgeber nach Informationen der Behörden um über eine Milliarde US-Dollar. Das FBI suchte deshalb nach Opfern, die den Federal Agents bei der Aufklärung helfen sollten. Dahinter einige Drahtzieher, die auf der Hypewelle ritten. Trittbrettfahrer, die indirekt vom Bitcoin-Kurs profitierten, indem sie große Profite versprachen, um sich nachher mit dem Geld aus dem Staub zu machen. Von Dezentralisierung keine Spur.

Drei zentrale Dinge

Geht man die Liste der Kryptowährungen durch, muss man jedoch nicht lange suchen, um weitere tendenziell zentralistische Projekte zu finden. So will etwa Ripple mithilfe des XRP-Token auf den Krypto-Thron klettern. Dahinter: Eine zentrale Figur namens Brad Garlinghouse, die nicht müde wird, die Vorteile von XRP und Ripple zu betonen. Diese mögen ihre Berechtigung haben; der Use Case von xRapid und dem Ripple-Ökosystem ist nicht zu bestreiten. Dennoch kann man sich hier getrost wiederholen: von Dezentralisierung keine Spur.

Bitfinex, eines der aktuellen Sorgenkinder der Krypto-Szene startet trotz (oder wegen?) aller Querelen und Unstimmigkeiten ein Initial Exchange Offering (IEO). Diese – so zumindest die gängige Suggestion – sollen eine neue Generation von Token hervorbringen, die vor allem eines sein wollen: sicher.

Da diese bereits vor ihrem Launch auf Bitcoin-Börsen gelistet sind, so ein Argument, haben sie gewisse Sicherheitstests bereits bestanden und können somit bedenkenlos gehandelt, gekauft und verkauft werden. Was diese Argumentation jedoch oft ausblendet: Die Börsen selbst sind keinesfalls sicher. Ob Cryptopia, QuadrigaCX oder der größte Krypto-Handelsplatz Binance – keine dieser Börsen konnte sich in der Vergangenheit vor Angriffen schützen. Um es im Krypto-Slang auszudrücken: Funds were never #SAFU. Und das liegt vor allem an dem, was Bitcoin umgehen will: einem Single Point of Failure, also einem zentralen Angriffspunkt, den Angreifer ausbeuten können.

Dezentralisierung: Ein unreflektiertes Ideal?

Sicher – und das muss man bei aller Kritik einräumen – handelt es sich beim Thema Dezentralisierung um ein Ideal, das in der Krypto-Community unter anderem unreflektiert auf alle Fahnen geschrieben wird. Bei manchen Projekten mag eine Institution sinnvoll sein. Man stelle sich etwa IOTA ohne Koordinator vor. Das Tangle wäre ohne zentralisierten Startpunkt wohl kaum funktionsfähig gewesen. Auch braucht es Unternehmen oder Initiatoren wie etwa das Team von Lite.IM, die die Blockhain-, Bitcoin- und Altcoin-Adaption vorantreiben. Mit ihrem Bot für den Messenger-Dienst WhatsApp schufen sie etwa einen Ansatz, der durchaus in der Lage ist, über zentralisierte Umwege ein dezentrales Geldsystem, oder auch das größte makroökonomische der Menschheitsgeschichte, an die Menschen zu bringen.

Dennoch: In einer zunehmend globalisierten Welt ist eine Dezentralisierung – vor allem im Finanzsystem – eine Alternative, die nicht nur gegen Inflation schützt. Auch die Wertspeicherfunktion, die Unabhängigkeit von Zentralbanken sowie mögliche finanzielle Integration sind Ideale, die sich dann doch hochhalten lassen. Diese sind dann auch – man mag die utopische Zukunftsvision verzeihen – ganz unabhängig vom Bitcoin-Kurs. Denn dieser läge bei seiner Durchsetzung bei einem BTC pro BTC.

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