Der Bitcoin Stellvertreterkrieg: Classic vs Core

unentschlossen

In der folgenden Stellungnahme von Martin Hagelstrom, erklärt der Bitcoin-Enthusiast und Projektleiter bei IBM, warum innerhalb der gerade vorherrschenden Blocksize-Debatte ein ganz wichtiger Punkt verschwiegen wird.

Zuerst einmal sollten wir uns alle in einem einig sein: Bitcoin ist eine großartige Innovation dessen Technologie ein ganzes Wirtschaftssystem regulieren kann. Zudem ist sie dezentralisiert und verhindert dadurch ein mutwilliges menschliche Einwirken und die Manipulation des Netzwerks.

Bitcoin ist jedoch bei weitem noch nicht „perfekt“. Derzeit herrscht eine Debatte über eine Veränderung des Codes. Sollte die Veränderung von dem Netzwerk (der Community und den Programmierern) akzeptiert werden, würde sich die Kapazität der Transaktion-Blöcke in der Blockchain vergrößern und dem derzeit überlasteten Netzwerk wieder „Luft verschaffen“. Auch wenn es vielleicht keine triviale Modifikation darstellt, somit ist es dennoch eine brisante Coding-Diskussion.

Aber können wir wirklich davon ausgehen, dass es keine triviale Veränderung ist? Was ist wenn die Blocksize-Debatte in Wirklichkeit ein Stellvertreterkrieg bzw. Proxy War ist um eine noch viel wichtigere Debatte zu verhindern?

Bevor wir aber zu dem Punkt kommen, müssen wir etwas weiter ausholen.

Classic vs Core

Auf der einen Seite haben wir die Bitcoin Core Entwickler, die das Projekt nach der Bitcoin-Geburtsstunde von dem pseudonymen Entwickler Satoshi Nakamoto übernommen haben und seither weiterentwickeln. Letztendlich entscheiden sie darüber, welche Veränderungen an der Bitcoin-Blockchain übernommen werden und welche eben nicht.

Zudem haben sie ein Verfahren entwickelt, wie die Community an Veränderungen im Code beitragen kann. Einige dieser Vorschläge sind oftmals schwer zu implementieren oder werden vom Core Team abgelehnt, da sie evtl. eine Gefahr für das gesamte Netzwerk darstellen.

Wir sollten an diesem Punkt jedoch nicht vergessen, dass es sich bei Bitcoin um ein Open-Source Projekt handelt bei dem andere Entwickler Teams den Code kopieren und nach ihren Vorstellungen weiterentwickeln können.

Genau das macht gerade das Bitcoin Classic Team. Das Team besteht u.a. aus dem ehemaligen Core Entwickler Gavin Andersen und dem Bloq CEO Jeff Garzik. Sie wollen die Blockgröße von 1MB auf 2MB vergrößern und damit die Transaktionsdurchfluss pro Block verdoppeln.

Das Bitcoin Core Team hat eine ähnliche Lösung gefunden: Sie wollen die Kapazität dadurch vergrößern, indem sie den Speicherplatz den eine Signatur im Block benötigt reduzieren (Segregated Witness).

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Das Interessante an Classic ist jedoch, dass sie ihren Vorschlag ganz offen an die Bitcoin-Community kommunizieren und ihr Vorschlag in nur zwei Monaten umsetzbar ist. Das wäre eine große Veränderung an Bitcoin.

Das Core Entwicklerteam wurde in der Vergangenheit zunehmend dazu gedrängt offener mit der Community zu kommunizieren und sie an den Veränderungen teilhaben zu lassen- Beispiele dafür sind die neue Webseite, ein neuer Slack Channel, die Teilnahme an Podcasts oder die Anwesenheit bei Bitcoin-Events. Hier sollen sie der Gemeinschaft mitteilen, warum sie glauben, dass Bitcoin Classic der falsche Ansatz sei.

Dies geschah natürlich nicht ganz ohne Reibereien, Beschimpfungen und Tadel, aber wir sollten dem Classic Team dankbar sein, dass sie diese „Evolution“ ermöglicht haben.

Payment vs Settlement

Kommen wir einmal zurück zum eigentlichen Anlass des Artikels: Warum wird die Debatte dazu genutzt, einen noch viel größeren Diskussionspunkt zu verhindern?

Kurz gesagt haben wir zwei Gruppen. Eine Gruppe (Bitcoin Classic) sieht Bitcoin als ein Netzwerk für Zahlungen (Payment), also als ein ultimatives Netzwerk was die traditionellen Bezahlungsmethoden ablösen soll. Die andere Gruppe (Bitcoin Core) sieht Bitcoin als ein Settlement-Netzwerk bei dem die Enduser Gebrauch von Sidechains machen sollen, beispielsweise das Lightning Netzwerk oder andere Plattformen die in Zukunft als Zahlungsplattform agieren.

Somit haben wir auf der einen Seite die Verfechter für eine Bitcoin-Blockchain, die nach einer  Vergrößerung der Blocksize (von 1MB auf 2MB) mehr Transaktionen zu niedrigeren Kosten abwickeln kann und auf der anderen Seite die Verfechter für eine Blockchain die weniger, aber dafür größere Transaktionen zu einem höheren Preis abwickeln kann.

Deshalb bin ich der Meinung bei der Blocksize Debatte (Skalierung von Bitcoin) geht es um weit mehr als nur die Vergrößerung der Blockgröße. Ich sehe es als einen Stellvertreterkrieg bei dem es um weit mehr geht.

Disclaimer: Bei dem Artikel handelt es sich um die persönliche Meinung des ursprünglichen Autors (Martin Hagelstrom) und vertritt nicht zwingend die Meinung des Arbeitgebers bzw. die der der BTC-ECHO Redaktion.

BTC-ECHO

Englische Originalfassung von Martin Hagelstrom via CoinDesk

 


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