Bitcoin-Börse BitFinex und Tether ziehen sich aus der Verantwortung

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

Bitcoin-Börse BitFinex und Tether gegen USA

Quelle: Shutterstock

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Der Gerichtsprozess rund um die in Verruf geratene Bitcoin-Börse BitFinex und den Stable-Coin-Anbieter Tether geht in eine neue Runde. Nun sagt einer der Anwälte der Firmen, dass weder BitFinex noch Tether Kunden in den USA betreuen würden.

Seit dem 26. April 2019 sehen sich die Bitcoin-Börse BitFinex und der verbandelte Stable-Coin-Anbieter Tether einer Klage gegenüber. So bezichtigt Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaates New York Letitia James die beiden Krypto-Unternehmen der Unterschlagung von 850 Millionen US-Dollar. Sie sollen gemeinsam Liquiditätsengpässe durch unlautere Maßnahmen vertuscht haben. Nun meldet sich die Verteidigung zu Wort.


Laut einem offiziellen Dokument, das der Staatsanwaltschaft New York vorliegt, gibt Rechtsanwalt Stuart Hoegner am 22. Juli zu bedenken, dass weder die Bitcoin-Börse noch der Stable-Coin-Herausgeber unter den Rechtsbereich New Yorks bzw. der USA fallen. In der Verteidigungsschrift heißt es:

Nach den Geschäftsbedingungen von BitFinex und Tether müssen Vertragspartner ausländische Entitäten sein. Auch wenn diese ausländischen Entitäten Shareholder oder Personal haben, die sich in den USA oder New York aufhalten oder anderen Kontakt haben, sind die Kunden von BitFinex und Tether die ausländischen Entitäten selbst […]. BitFinex und Tether haben keine Möglichkeit zu kontrollieren, wer ihre Shareholder oder Vertragspartner […] sind.

Anders gesagt: BitFinex und Tether schließen US-Bürger vertraglich aus. Sie können nicht kontrollieren, ob diese sich an den Vertrag halten.

Verteidigung kritisiert Staatsanwaltschaft

Ferner kritisiert der Rechtsanwalt im Auftrag der Bitcoin-Börse Ungenauigkeiten, die der Staatsanwaltschaft offenbar unterlaufen sind. Dementsprechend habe weder BitFinex noch Tether Geld an Unternehmen in die USA verliehen, was unter anderem Gegenstand der Klage ist. Außerdem haben beide Firmen ihre Geschäftsbeziehungen zur Noble Bank laut Verteidigung im Oktober 2018 aufgelöst. Außerdem betont der Anwalt in der Verteidigungsschrift wiederholt, dass sich die beiden Firmen komplett aus dem Rechtsbereich in den USA zurückgezogen hätten:

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Die Unternehmen haben […] darauf geachtet, keine Geschäftsbeziehungen zu US-Kunden zu unterhalten. Ein Grund dafür ist die sehr unsichere regulatorische Umgebung, vor allem weil ein Eintritt in die US-Märkte bedeuten würde, dass man sich der Regulierung durch 50 verschiedene Staaten mit unterschiedlichen Agendas öffnen müsste. Dieses Prozedere ist ein perfektes Beispiel dafür, was die Unternehmen zu Kosten eines bedeutungsvollen potentiellen Geschäfts, absichtlich versuchten, zu umgehen.

Kurzum: Wenn es nach der Verteidigung geht, sind die Anklagepunkte haltlos, nicht zuletzt, weil sowohl die Bitcoin-Börse BitFinex als auch der Stable-Coin-Anbieter US-Kunden vertraglich ausschließt.

Bitcoin-Börse BitFinex & Tether: Unlautere Verstrickungen

BitFinex fiel bereits im Oktober 2018 auf. Hier ging es um Liquiditätsengpässe. Nutzer berichteten darüber, dass sie ihre Kryptowährungen nicht von der Bitcoin-Börse abziehen konnten. Diese Beschwerden – viele davon drangen über Reddit an die Öffentlichkeit – zensierte das Unternehmen großzügig. Abgesehen davon kam es zu personellen Verstrickungen. Der in Ungnade gefallene Ex-Hollywood-Star Brock Pierce stellt hier fragwürdige Verbindungen her.

Auch die mit ihr verbandelte Tether Limited schaffte es immer wieder in die Krypto-News-Schlagzeilen. Das Unternehmen gab ursprünglich vor, dass jede Einheit ihrer digitalen Münzen (USDT) jeweils durch einen real hinterlegten US-Dollar abgesichert seien. Im Zuge der Liquiditätsengpässe änderte das Unternehmen jedoch kurzerhand die AGB. Daraufhin schloss Tether auch „andere Assets“ mit ein. Eine hundertprozentige Abdeckung von Tether durch US-Dollar war nicht mehr gegeben.

In jüngster Vergangenheit drang Tether erneut in die Aufmerksamkeit. So druckte das Unternehmen am 15. Juli aus Versehen fünf Milliarden USDT – nur um sie kurze Zeit später wieder zu verbrennen.


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