Bitcoin – Blocksize Debatte, die tausendste

Seit 2015 kocht immer wieder die Blocksize Debatte um die Frage auf, wie man Bitcoin skalieren kann. Trotz größter Anstrengungen der Entwickler bleibt diese Frage die größte Herausforderung bei der Weiterentwicklung von Bitcoin.

Auch jetzt, ein Jahr nach den ersten Vorschlägen in diese Richtung, sprechen sich Miner wieder für eine Erhöhung der Block Size aus. Sie erhoffen sich dadurch, Bitcoin für mehr Transaktionen und eine größere Anzahl an Nutzern fit zu machen. Die Bitcoin Core Entwickler fokussieren sich im Gegensatz dazu auf Optimierungen durch Top-Level Protokolle. Ihrer Meinung nach ist das der sicherste Weg vorwärts.

Was ist aber jetzt anders?

Zum einen wurde mit Segregated Witness eine Lösung veröffentlicht, die das Skalierungsproblem beheben will. Außerdem haben ein neuer Mining Pool (ViaBTC) und Roger Ver selbst damit begonnen, Software zu nutzen, die größere Blöcke bearbeiten können.

Durch diesen nicht kleinen Miner hat die Partei, die sich für große Blöcke ausspricht, etwas mehr Gewicht bekommen und kann gegebenenfalls Segregated Witness blockieren. Sie könnten sogar mächtig genug werden und eine Fork anstreben.

David A Johnston ist Chairman of the board der Factom Foundation. Seiner Meinung nach ist nach diesen Events eine Fork unausweichlich. In mehreren Blog Posts betont er, dass die beiden Lager in der Bitcoin Community nun verschiedene Ziele haben und deshalb in zwei getrennten Netzwerken agieren sollten.

“Nach nun über zwei Jahren Streiterei ist der Zeitverlust von ein, zwei Monaten durch eine Fork ein kleiner Preis: Die Entwicklung er beiden Konzepte könnte endlich ungestört voranschreiten.”

Eine neue Fork?

Nicht jeder möchte sich Johnsons Meinung anschließen. Kritiker meinen, dass derartige Versuche von Minern, eine Erhöhung der Block Size zu erzwingen, bisher fehlschlugen. Was soll heute anders sein?

“Ich denke nicht, dass es zu so einer Fork kommen könnte. Ja, es gibt eine sehr Laute Gruppe, die ihre Argumente hervorbringt. Aber das ist eine winzige Gruppe, deren Argumente kein realistisches Fundament besitzen”, so der CEO von Coinkite, Rodolfo Novak.

Novak erinnerte daran, dass Bitcoin Unlimited Konzepten wie Bitcoin XT und Bitcoin Classic ähnelt – beide Vorschläge schlugen in dieselbe Kerbe der Blocksize-Erhöhung. Und wo sind sie jetzt?

All diese Vorschläge haben zwar Diskussionen entfacht, aber keine schafte es, die 95% Hashrate auf sich zu vereinen, was für ein Upgrade erreicht werden muss.

Diesmal sehen einige Beobachter die Chancen für eine Fork etwas realisitischer, gab es doch anhaltenden Support für eine Blocksize Erhöhung seitens der Miner.

Stephen McKie ist Produktmanager bei einer bitcoinbasierten sozialen Plattform namens Yours. Er zeigte auf, dass laut einiger Neuigkeiten die von den Core Entwicklern präferierten Lösungen Segregated Witness und Lightning Network vorankommen, was eine Fork wie die obige verhindern würde.

“Mit dem Aufkommen von Implementationen ähnlich dem Lightning Network könnten die Blocksize Debatten verstummen, so dass alles hinsichtlich der Skalierung wie gehabt bleiben würde.”

Unterschiedliche Visionen, unterschiedliche Wege?

So oder so denkt Johnston, dass die einzige sinnvolle Lösung in dieser Debatte der Split entlang der unterschiedlichen Visionen wäre.

“Besser als die endlosen Streitereien wäre es allemal.”

Aus seiner Sicht ist der Split von Ethereum ein großartiges Beispiel für eine auf Visionen basierende Fork, da nun jede Gruppe sich auf die ihre fokussieren kann.

Auch der CEO von BTCC Samson Mow sagte, dass ViaBTC und andere wann immer sie wollen ihre eigene Währung aus der Taufe heben könnten.

“Wenn jemand wirklich meint, dass die Block Size einer potentiellen Adoption im Wege stehe und diese der Grund für hohe Gebühren und unberechenbare Bestätigungszeiten sei, warum sollten sie dann nicht forken und damit alle Probleme lösen?”

Aktuell sind jedoch beide Gruppen ökonomisch aneinander gebunden. Mow meint, dass eine Hard Fork nicht nur die Zukunft Bitcoins, sondern aller, die Bitcoin unterstützen, gefährden würde.

“Eine Hard Fork würde Milliarden an Dollar kosten, ein Preis, den jene Personen und Firmen zahlen müssten, die Bitcoin als Wertgegenstand besitzen.”

Konsens – ja oder nein?

Die angeführten Kommentare suggerieren, dass die Ethereum Hard Fork eine gute Referenz für die aktuelle Bitcoin Debatte sei.

Ethereum ist das bekannteste Beispiel einer Hard Fork ohne kompletten Support. Beide Netzwerke, Ethereum und Ethereum Classic, arbeiten nun getrennt voneinander.

Die Bitcoin Unterstützer jedoch glauben, dass der Status von Bitcoin durch einen entsprechenden Weg ins Wanken geraten würde. Die Idee des Konsens, dass buchstäblich fast alle maßgeblichen Stakeholder under den Minern einem Upgrade zustimmen müssen, würde durch ein einfaches Mehrheitswahlrecht ersetzt werden.

So betrachtet ist die Hard Fork Debatte eher eine Debatte darüber, ob 95% Zustimmung zu einem Update zu hoch sind und ob alle Stakeholder einer Blockchain wirklich aktiver Teil einer ökonomischen Zusammenarbeit sind.

Johnston macht sich Sorgen, dass Bitcoin, sollte es weiterhin bei den 95% bleiben, in der Entwicklung stagnieren würde.

“Die 95%-Regel klingt wie ein Rezept zur Einbalsamierung von Bitcoin, da neue Innovationen letztlich nicht allgemein akzeptiert werden können.”

Dennoch sind andere deutlich optimistischer, was die Zukunft Bitcoins angeht. George Papageorgiou der Universität von Nicosia sieht in der Blocksize Debatte eine fruchtbare Diskussion, trotz allem bitteren Klanges.

“Streit und Meinungsverschiedenheiten gehören zur Entwicklung dazu. Deshalb sollten wir diese nicht unterdrücken.”

Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft

Auch wenn viele Bitcoin Entwickler und Beobachter die jüngsten Äußerungen zugunsten einer Fork kritisch sehen, stimmen die meisten zu, dass es eine valide Option ist.

“Es geht weniger darum, ob eine Fork eine falsche Idee wäre. Die Frage ist vielmehr, wie man die Fork realisieren will”, so Mow.

Die ewigen Streitereien jedenfalls haben dazu geführt, dass die Anzahl der Beiträge zum Thema Fork seitens der aktiven Entwickler im Bitcoin Ökosystem geringer wurde.

Der Co-Founder und Bitcoin Core Entwickler Matt Corallo hat in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam gemacht, dass beim Bitcoin Summit das Thema Hard Fork praktisch inexistent war. Core Entwickler nehmen sich des Themas an und diskutierten – wenn auch im privaten mögliche Rollout Proposals, die eine Hard Fork einfacher machen würden. Corallo hofft, dass diese Diskussionen in Zukunft etwas mehr in der Öffentlichkeit geführt werden können.

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Alyssa Hertig via CoinDesk

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet nebenberuflich als Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Zudem engagiert er sich aktiv für die Krypto-Community – sowohl online als zentraler Ansprechpartner im Slack-Channel von BTC-ECHO als auch offline als Speaker und Interviewer pflegt er stets den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären. Der promovierte Physiker kann auf jahrelange Berufserfahrung als Projektleiter und technologischer Berater zurückgreifen. Philipp begeistert sich dabei seit vielen Jahren nicht nur für die technologische Dimension von Kryptowährungen, sondern auch für die dahinterliegende sozioökonomische Vision.

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