BaFin-Präsident Hufeld: Regulierung im „Spannungsverhältnis zwischen Innovation und Sicherheit“

BaFin-Präsident Hufeld: Regulierung im „Spannungsverhältnis zwischen Innovation und Sicherheit“

Felix Hufeld, der Präsident der deutschen Regulierungsbehörde BaFin, hat sich in der letzten Woche in einer Rede zu Kryptowährungen und der Blockchain geäußert. Dabei ging er auch genauer auf die Rolle seiner Behörde bei der Regulierung von Technologie und Anwendungen ein. Dabei müsse Innovation gefördert, jedoch auch die Finanzmarktstabilität gewahrt werden.



Am Donnerstag, den 7. Juni, hielt der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Berlin eine Rede mit dem Titelthema „Bitcoin, Blockchain: Was ist Hype und was bleibt?“. Wie der Titel schon vermuten lässt, ging es darin zum einen um die Herausforderungen, die Kryptowährungen aus Sicht des Finanzmarktregulierers darstellen. Zum anderen sprach Hufeld aber auch die Möglichkeiten an, die die Technologie seiner Meinung nach bereithält.

Hype oder Zukunftstechnologie?

„Die Frage, was an Bitcoin und Blockchain nur Hype ist und was tatsächlich die Substanz hat, die Finanzmärkte disruptiv zu verändern, kann und will ich an dieser Stelle nicht abschließend beantworten. Einige Einschätzungen und Beobachtungen dazu kann ich Ihnen als Finanzaufseher jedoch anbieten.“

So leitet Felix Hufeld seine Ausführungen zur Blockchain ein. Als die bekannteste Anwendung der Blockchain hebt er den Bitcoin stellvertretend für alle Kryptowährungen hervor. Diesen sehe er nach wie vor nicht als Währung an, da in unserer Jurisdiktion der Währungsbegriff klassischerweise dem Zentralbankgeld vorbehalten sei. Obwohl der Bitcoin also einst als Alternativwährung geschaffen worden sei, ist er eher als Rechnungseinheit zu betrachten.

Die BaFin muss regulierend tätig werden

Die BaFin sieht er in der Rolle des Regulators, der den nötigen Rahmen setzt, damit sich Blockchain und Kryptowährungen sicher entwickeln können. Um nicht über das Ziel hinauszuschießen und überzuregulieren, will man zunächst jedoch mehr über die Technologie lernen. „Innovationen brauchen gerade am Anfang Raum, um sich entwickeln zu können. Ihnen diesen Raum zu lassen, zeichnet eine Marktwirtschaft aus“, zeigt Hufeld seine Leitlinien auf. Aus der Angst vor Risiken dürfen nicht die Chancen in den Hintergrund geraten.

Die BaFin will auch die Interessen der Verbraucher und Investoren schützen. Daher stehen vor allem Initial Coin Offerings im Fokus der Behörde. Die Finanzierungsmethode ICO ist bisher noch extrem unreguliert, unsicher und hoch spekulativ. Die Maxime des Handelns ist jedoch nicht der Schutz einzelner Investoren, sondern die Sicherung der Finanzstabilität und die Abwendung von systematischem Schaden von Verbrauchern.

Die Blockchain ist vielfältig einsetzbar

Die zeitweisen Kursgewinne der Kryptowährungen bezeichnet Hufeld als einen Hype, die Blockchain sieht er als etwas stabiler an. So erwähnt er Estland und Schweden als Beispiele, in denen die Blockchain bereits im Bereich der öffentlichen Verwaltung genutzt wird. Dort biete sich die Technologie vor allem in Ländern mit niedrigerem Entwicklungsstand an, wo Strukturen gerade noch im Aufbau begriffen sind. So bezeichnet er die Blockchain für „manche Länder Afrikas“ als „regelrechten Quantensprung“, etwa bei der Dokumentation von Eigentumsrechten.

Aber auch in Industrienationen kann die Blockchain zur Sicherung von Wachstum und Wohlstand beitragen. Speziell die Finanzbranche als offensichtliches Einsatzfeld ist hier interessant. Kleine und mittelständische Unternehmen können von kostenlosem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ohne Intermediär profitieren. Er nennt zudem die Bereiche Schuldscheindarlehen und Versicherungen als Einsatzfelder für Blockchain-Applikationen wie Smart Contracts. Er warnt jedoch auch davor, in der Blockchain eine Lösung für alle Probleme zu suchen. Man müsse sich genau fragen, wer von der Technologie profitieren könne.

Wie zu Beginn der Rede klargestellt, kann Hufeld also nicht genau sagen, wo das Versprechen der Blockchain aufhört und der irrationale Hype beginnt. Er lässt jedoch einen klaren Willen vonseiten der BaFin erkennen. Sie wolle die Technologie fördern, wo sie gewinnbringend eingesetzt werden kann. Für den seriösen Teil der Kryptoszene sind dies gute Nachrichten.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Bildquellen

  • bafin_shutterstock_448669366: https://www.shutterstock.com/de/image-illustration/building-icon-inscription-bafin-german-flag-448669366?src=F6z65bgJGgqX9nHr0-F9jg-1-7

Ähnliche Artikel

ETHBerlin: Hackathon erhält eigenen Token

Im September findet in Berlin ein Ethereum-Hackathon statt. Für die Veranstaltung soll eigens ein Token erschaffen werden. Der auf den Namen BRLNCoin getaufte Token wird Teil eines Ethereum-basierten Belohnungssystems sein.  Berlin hat sich als idealer Nährboden für Startup-Unternehmen einen Namen gemacht. Auch die Kryptoszene pulsiert in der Hauptstadt, was sich in zahlreichen Veranstaltungen rund ums Thema […]

Bitconnect: Polizei vermutet Mord an Ehefrau des CEO

Die australische Polizei geht drei Monate nach dem Verschwinden der Ehefrau von John Bigatton, dem ehemaligen Geschäftsführer von Bitconnect, von einem Mord aus. Man hat die Ermittlungen intensiviert, um eine mögliche Erpressung oder andere monetäre Hintergründe des Verschwindens aufzudecken. Unter anderem bemühen sich die Ermittler auch darum, das Geschäftsmodell des Unternehmens zu durchleuchten. Die zweifache […]

Identität 3.0: Das Ich im digitalen Spiegel

Wir begeben uns auf die Reise zur Persönlichkeit: Was bedeutet Identität? Wie kommt man von der analogen zur digitalen Identität? Auf dem Weg dorthin beleuchten wir historische Konzepte von Identität, bis wir beim Thema Digitale Identität und Blockchain ankommen – und uns fragen können: Wer und wie werden wir sein? Heute: Identität 3.0.: Das Ich […]

Amsterdamer Flughafen tauscht Euro gegen Bitcoin & Ether

Bei Auslandsaufenthalten außerhalb der Eurozone muss man sich manchmal fragen, was man mit der übrig gebliebenen Fremdwährung anstellen soll. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol hat nun eine Lösung für Reisende außerhalb der Eurozone gefunden. So tauscht er die restlichen Euro gegen Bitcoin und Ether. Die viel zitierten Dezentralität von Kryptowährungen als Vorteil gegenüber Fiatwährungen ist hinlänglich […]