BaFin-Perspektiven: Gedanken zu einer möglichen Regulierung

Quelle: Bonn, North Rhine-Westphalia / Germany - July 06, 2008: Sign of the Federal Financial Supervisory Authority - Bundesanstalt fuer Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin - Headquarters Bonn, Germany via shutterstock

BaFin-Perspektiven: Gedanken zu einer möglichen Regulierung

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, auch bekannt als BaFin, hat sich in ihren “Perspektiven” zu den Herausforderungen für eine mögliche Regulierung rund um die Blockchain-Technologie geäußert.

Blockchain, Bitcoin und Regulierung – ein Dreiergespann, das miteinander nach wie vor noch nicht ganz warm geworden ist. Während sich die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC momentan vor allem mit der möglichen Einführung von Bitcoin ETFs beschäftigt, machen sich auch die Behörden in Deutschland ihre Gedanken. So hat sich die BaFin im am 1. August erscheinenden Jahresbericht zu den Herausforderungen einer möglichen Regulierung der Blockchain-Technologie und ihren Erscheinungsformen geäußert. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Blockchain bietet Herausforderung und Chancen

Eine große Chance, aber auch Herausforderung stelle demnach vor allem eine der Kerneigenschaften der Blockchain-Technologie dar. Diese machte schon Satoshi Nakamoto in seinem White Paper für Bitcoin stark: Das Fehlen von Intermediären, also vermittelnden Instanzen. So schreibt die BaFin:

„Eine der Kernfragen nachhaltigen Wirtschaftens lautet, wie Vertrauen zwischen Unbekannten etabliert wird, um Transaktionen zu ermöglichen. Dies ermöglichen bisher Intermediäre wie Banken und Zentralverwahrer, deren Rolle allerdings dazu führt, dass die Transaktionskosten steigen und die Märkte weniger effizient sind. Die Blockchain-Technologie kann dazu beitragen, das erforderliche Vertrauen und somit die Transaktionskosten zwischen den Transaktionsbeteiligten zu minimieren, etwa indem die Abhängigkeit von Intermediären verringert wird.“

Denn die Frage, die sich daran anschließt: Wie soll man etwas regulieren, das keine Verantwortlichen hat? Ein weiteres Problem, das die BaFin sieht, ist ein Punkt, der gerade unter Bitcoin- und Kryptoenthusiasten oft als Vorteil gefeiert wird: Ihre Unveränderbarkeit. Dahingehend die BaFin weiter:

„So ist etwa noch fraglich, wie bestehende Anforderungen, etwa der europäischen Datenschutz Grundverordnung (DSGVO) und das darin enthaltene „Recht auf Vergessenwerden“ mit den derzeit bekannten Verfahren auch durch die Blockchain-Technologie vollumfänglich umgesetzt werden könnten.“

BaFin betont revolutionäres Potential der Blockchain

Dennoch hebt die BaFin das revolutionäre Potential der Technologie hervor, die Bitcoin so bekannt gemacht hat. Demnach habe sie branchenübergreifend große Innovationskraft und das Potential, um die Finanzindustrie in vielerlei Hinsicht zu beeinflussen. Letztlich habe die Technologie jedoch noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen, die „zur Vorsicht mahnen“ sollten.

Schließlich kommt die BaFin in ihrem Bericht auf ein Thema zu sprechen, das gerade die Behörden weltweit beschäftigt. Kryptotoken, Payment-Token, virtuelle Währungen, wertpapierähnliche Token, Utility Token und vor Allem: Ihre Unterscheidung. Diese erfolgt in deutscher Bürokratenmanier feingliedrig als Grundlage für künftige Regulierungsansätze. (Die Details sollen unseren Lesern an dieser Stelle erspart bleiben. Wer die Unterscheidungsmerkmale selbst nachprüfen will, kann das im gesamten Bericht hier auf den Seiten 54 – 65 tun.)

Das Ergebnis gleicht sich mit denen einer Studie des Europäischen Parlaments. Wir brauchen internationale Standards, eine Regulierung auf Staatenebene ist hier nicht sinnvoll:

„Der Kryptotoken-Markt als Ganzes weist eine hohe Innovationsgeschwindigkeit, starke Informationsasymmetrien und Lücken in der Datenverfügbarkeit auf. Dies bedeutet sowohl für nationale Aufsichtsbehörden wie die BaFin als auch für europäische Aufsichtsbehörden und internationale Standardsetzer, dass sie sich weiter intensiv mit dem Thema beschäftigen und die Entwicklung verfolgen müssen.“

Dazu müsse die Zusammenarbeit nicht nur zwischen den Staaten, sondern auch zwischen den Disziplinen stattfinden:

„Je mehr Wissenschaft, Politik, internationale Standardsetzer und Aufsichtsbehörden sich mit diesem Thema beschäftigen, desto mehr Rechtssicherheit kehrt in den Markt ein – trotz zahlreicher verbleibender Fragen.“

Insgesamt gibt sich die BaFin jedenfalls zuversichtlich, auch wenn vorerst ein Mehraufwand an Arbeit bevorstehe:

“Der Preis für die risikoadäquate und technologieunabhängige Regulierung ist ein vergleichsweise hoher anfänglicher Zeitaufwand bei der Einführung neuer Geschäftsmodelle. […] Trotz der unbestrittenen Erschwernisse durch die Klärung aufsichtsrechtlicher Fragen vor Markteinführung eines Geschäftsmodells hat sich dieses regulatorische Grundkonzept auch bei den Finanzinnovationen der vergangenen Jahrzehnte im Grundsatz bewährt.“

BTC-ECHO

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Chinesisches Gericht erklärt Bitcoin zu „legalem Besitz“ – jedoch keine Kursänderung in Sicht
Chinesisches Gericht erklärt Bitcoin zu „legalem Besitz“ – jedoch keine Kursänderung in Sicht
Regulierung

Ein Gericht im chinesischen Hangzhou hat den Bitcoin in der vergangenen Woche zu „legalem Besitz“ erklärt. Die chinesische Volksbank, die Zentralbank des Landes, bestätigte das Urteil. Den Status legaler Währung jedoch sprachen die Richter dem Krypto-Zugpferd ab. Bitcoin-Begeisterten dürfte der Richterspruch jedoch zunächst wenig Grund zum Aufatmen geben. Eine baldige Kursänderung der chinesischen Behörden ist vor allem mit Blick auf deren eigene Währungspläne kaum zu erwarten.

Bitcoin Suisse beantragt Schweizer Banklizenz
Bitcoin Suisse beantragt Schweizer Banklizenz
Regulierung

Bitcoin Suisse hat eine Schweizer Banklizenz und eine Effektenhändlerlizenz bei der Schweizer Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA beantragt. Damit will das Unternehmen ihr Produktporfolio weiter ausbauen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

„Kryptowährungen sind eine tolle Idee“ Ron Paul will Währungswettbewerb – das Meinungs-ECHO
„Kryptowährungen sind eine tolle Idee“ Ron Paul will Währungswettbewerb – das Meinungs-ECHO
Kolumne

Zugegeben: Dass Ron Paul privatem Geld offen gegenübersteht, ist keine Neuigkeit. Nun hat der libertäre Denker sein Plädoyer erneuert. Derweil schießt sich Tim Draper auf Indien ein und Charlie Lee bezieht zu Warren Buffetts Bitcoin-Abneigung Stellung.

Chinesisches Gericht erklärt Bitcoin zu „legalem Besitz“ – jedoch keine Kursänderung in Sicht
Chinesisches Gericht erklärt Bitcoin zu „legalem Besitz“ – jedoch keine Kursänderung in Sicht
Regulierung

Ein Gericht im chinesischen Hangzhou hat den Bitcoin in der vergangenen Woche zu „legalem Besitz“ erklärt. Die chinesische Volksbank, die Zentralbank des Landes, bestätigte das Urteil. Den Status legaler Währung jedoch sprachen die Richter dem Krypto-Zugpferd ab. Bitcoin-Begeisterten dürfte der Richterspruch jedoch zunächst wenig Grund zum Aufatmen geben. Eine baldige Kursänderung der chinesischen Behörden ist vor allem mit Blick auf deren eigene Währungspläne kaum zu erwarten.

Bitcoin und traditionelle Märkte – Volatilität so hoch wie schon lange nicht mehr
Bitcoin und traditionelle Märkte – Volatilität so hoch wie schon lange nicht mehr
Märkte

Während die absolute Kopplung von Bitcoin zu den klassischen Märkten sehr gering ist, stieg die Volatilität in schon lange nicht mehr gesehene Höhen. Leider kann man das nicht über die Performance des Bitcoin-Kurses sagen.

Bitcoin- und Blockchain-News: Das Wichtigste der Woche
Bitcoin- und Blockchain-News: Das Wichtigste der Woche
Bitcoin

Bitcoin, der Facebook Coin Libra und der US-Senat dominierten ganz klar die vergangene Krypto-News-Woche. Währenddessen ging es jedoch auch bei Binance und in Japan hoch her. Der BTC-ECHO-Newsflash.

Angesagt

Julian Hosp zu Mikrotransaktionen: „Die Nutzerfreundlichkeit ist der Knackpunkt“
Blockchain

Dr. Julian Hosp zählt zu den bekanntesten Köpfen in der deutschsprachigen Bitcoin- und Blockchain-Community. Mit seinen zahlreichen Vorträgen, Büchern und YouTube-Beiträgen hat er sich zum Ziel gesetzt, die Menschen „cryptofit“ zu machen. Entsprechend gehört auch er zu der Gruppe der Publisher, ergo Verlage, Medienplattformen oder Blogger, die Inhalte produzieren, um sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie Kryptowährungen und Blockchain-Lösungen das Verlagswesen zukünftig verändern können. Wir haben nach seiner Einschätzung gefragt und über die Chancen von Mikrotransaktionen gesprochen.

Facebook unter Beschuss: Verbraucherverbände appellieren an Libra Association
Unternehmen

Die Diskussionen um Libra reißen nicht ab. Facebooks geplante Kryptowährung stand diese Woche in beiden Kammern des US-Kongresses auf der Tagesordnung. Auch jenseits der Politik wollen viele das Währungsprojekt stoppen. US-Verbraucherschützer starteten nun einen weiteren Versuch. Ihre Strategie: ein offener Appell an die Mitglieder der Libra Association.

Bitcoin-ATM an jeder Ecke: Zuhause sein in 80 Ländern
Bitcoin

Die Mainstream-Adaption von Bitcoin & Co. lässt sich kaum besser beobachten, als an der Verbreitung von Automaten (ATM). Die USA führen die Liste der Nationen an. Das größte Bitcoin-ATM-Netzwerk namens LibertyX hat einen Meilenstein erreicht: 1.000 Automaten, verteilt im ganzen Land. Wie Bitcoin Grenzen überwindet.

Stellar Rewards: Binance verschenkt XLM und unterstützt Staking
Altcoins

Binance will Stellar Lumen (XLM) im Wert von rund 745.000 Euro an seine Community verschenken. Die weltweit führende Krypto-Börse hat – selbst unbemerkt – eine beachtliche Menge an Staking Rewards von Stellar erhalten und will diese nun an Nutzer ausschütten, die den Token halten. Künftig wird Binance außerdem das Staken von XLM anbieten.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: