Aus der Gerüchteküche: Microsoft und Bitcoin

Zahlreiche Portale berichten, dass der Technologiekonzern Bitcoin wieder als Zahlungsmittel akzeptiert. Doch was erhalten Microsoft-Kunden für ihre Bitcoins eigentlich? Wie es aussieht, scheint dies nicht viel zu sein.

Microsoft und weitere Softwareanbieter wie Steam schränkten im Dezember als Folge der hohen Volatilität die Zahlungsmöglichkeit mit Bitcoin erneut ein. Ein gewöhnlicher Schritt, da Unternehmen ihre Einnahmen nicht mehr sicher kalkulieren können. So stellten zum Beispiel amerikanische Unternehmen den Verkauf in Russland ein, als vor drei Jahren der Rubel stark an Wert verlor. Die Einnahmen morgens sind am Abend oft so viel weniger Wert, dass der Handel nicht mehr rentabel ist. Ähnliches war bei Bitcoin zum Jahreswechsel zu beobachten. Außerdem stiegen die Transaktionskosten stark an.

Microsofts Zahlungsdienstleister BitPay hat sein Angebot kürzlich auf Bitcoin Cash erweitert, Microsoft-Kunden profitieren davon aber nicht. BitPay übernahm zuvor den Zahlungsverkehr und die Gutschriften für Microsoft. Der Technologiekonzern selbst erhielt nur den Gegenwert in US-Dollar und verfügt über keine Kryptowährungen. Berichten zufolge akzeptiere Microsoft nun wieder Bitcoin und ergänze das Angebot um Bitcoin Cash. Eine offizielle Meldung von Microsoft gibt es dazu nicht.

Microsoft beschreibt im Support-Bereich ausführlich, welche Dienstleistungen mit Bitcoin zahlbar sind. Der Artikel wirkt aktuell: Zuletzt überarbeitet am 8. März 2018. Zahlbar mit Bitcoin seien etwa Apps, Filme und Spiele im Xbox Store. Größere Zahlungen für beispielsweise das beliebte Surface seien nicht möglich. Hardware ist von dem Verkauf generell ausgeschlossen. Auch sonst sind die Regeln streng. Der Kauf von Geschenkkarten ist genauso wenig möglich wie eine Erstattung der Zahlung. Auch ist der Gebrauch der beiden Kryptowährungen auf wenige Länder beschränkt.

In der Praxis: Keine Zahlung mit Bitcoin möglich

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es etwas anders aus. Ein Selbstversuch aus mehreren Ländern zeigt, eine Zahlung mit Bitcoin scheint nirgendwo möglich. Das Onlineportal bietet nur die üblichen Zahlungsmittel: Kreditkarte, Lastschrift und PayPal. Keine Spur von Bitcoin und schon gar nicht von Bitcoin Cash. Auch bei dem Dienstleister BitPay lässt sich keine Mitteilung finden. Es bleiben eine Reihe von Artikeln auf namhaften Portalen (darunter z. B. das Fortune Magazin) und die aktuelle Beschreibung zur Zahlung in Bitcoin auf Microsofts eigener Homepage. Dies scheint auch die Quelle für die zahlreichen Meldungen dieser Tage.

Auch die Servicemitarbeiter von Microsoft sind sich zuerst nicht sicher. Auf Nachfrage gab der erste Mitarbeiter, Amor, zu Protokoll, er wisse nichts von einer Zahlungsmöglichkeit mit Bitcoin. Er verweist darauf, dass dieser Weg im vergangenen Jahr eingestellt wurde. Ganz sicher sei er sich aber nicht. Seine Kollegin, Adriel, ist sich ebenfalls nicht sicher und fragt intern nach. Die endgültige Antwort: „Microsoft akzeptiert den Tausch von Bitcoins nicht länger zur Gutschrift auf den Account“. Einige Nutzer würden noch eine Zahlungsmöglichkeit für Bitcoin sehen, das sei allerdings ein technischer Fehler und funktioniere nicht. Adriel kennt die vielen anderslautenden Gerüchte. Sie bedauert, dass die eigene Homepage falsche Informationen bereitstellt und die Gerüchte somit nicht unbegründet seien. Die Angaben sollen zeitnahe korrigiert werden. Aus dem Kauf mit Bitcoin wird also erst einmal nichts.

Microsoft setzte erstmals 2014 auf Zahlungen mit Bitcoin. In der Zwischenzeit kam es immer wieder zu Unterbrechungen bei der Akzeptanz von Bitcoin. Wie es weitergeht, bleibt offen: Microsoft hält es ähnlich wie Steam und verzichtet zunächst auf Bitcoin als Zahlungsmittel. Langfristig hofft man auf eine Wiedereinführung. Bis dahin lassen sich bei Steam immerhin Bitcoins gewinnen: Wer das Spiel MonteCrypto löst, erhält einen Bitcoin. Nur ausgeben muss man ihn woanders.

BTC-ECHO

Über Tim Stockschlaeger

Tim StockschlaegerTim Stockschläger studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig. Im Bachelor schrieb er Artikel für verschiedene Magazine und Tageszeitungen. Nach dem Studium arbeitete er zunächst für die Deutsche Bank und ist nun freiberuflicher Autor und Berater. Im Fokus dabei: Der rasante Wandel der Finanzindustrie.

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