Kontrolle, Aus der Forschung: Bitcoin und die Kontrolle von Geld

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Aus der Forschung: Bitcoin und die Kontrolle von Geld

Prof. Dr. Aleksander Berentsen und Fabian Schär von der Universität Basel sehen für Bitcoin bzw. Kryptowährung die Möglichkeit, sich im Zahlungswesen zu etablieren. Das zeichnen sie unter anderem an der Art der Kontrolle von Geld nach.

Taugt Bitcoin zur Währung? Theoretisch ja. Diese Erkenntnis teilen auch Forscher von der Universität Basel. In ihrem Paper „The Case for Central Bank Electronic Money and the Non-Case for Central Bank Cryptocurrencies“ verglichen Prof. Dr. Aleksander Berentsen und Fabian Schar unter anderem verschiedene Arten von Geld unter dem Gesichtspunkt der Struktur ihrer Kontrolle. Es zeigt sich: Unter der Konkurrenz ist Bitcoin einzigartig.

Um diese Einzigartigkeit von Bitcoin zu verstehen, so Schär und Berentsen in ihrem Paper, hilft es, die Art der Kontrolle von Geld zu verstehen. Hierzu führen sie die drei Anhaltspunkte Repräsentation, Transaktion und Herstellung auf.

Physisches Geld

Bargeld wird physisch repräsentiert, es ist greifbar. Etwa in Form von Münzen oder Scheinen stehen die Objekte direkt für den Tauschwert, den sie versprechen. Dazu ist kein zentrales Verzeichnis nötig, wer wie viel Bargeld zu welchem Zeitpunkt besitzt, spielt für die Transaktion mit Bargeld keine Rolle. Um Bargeld zu verwenden, muss man sich bei keiner zentralen Instanz anmelden. In diesem Sinne bezeichnen Berentsen und Schär Bargeld als dezentrales Zahlungssystem, das ohne Drittpartei auskommt. Allerdings nicht bei der Herstellung: Hier sind in fast allen Fällen Zentralbanken oder Schatzkammern bzw. Regierungen am Werk.

Ähnliches gilt für Gold: Auch dieses wird physisch repräsentiert und es ist in der Transaktion unabhängig von der Instanz. (Hier muss man allerdings beachten, dass Gold als Tauschmittel nur bedingt akzeptiert wird). Der Herstellungsprozess hingegen ist prinzipiell jedem zugänglich.


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Der Vorteil von Bargeld ist damit vor allem seine Anonymität und seine Zugänglichkeit. Eine Drittpartei benötigt man hier jedoch zur Herstellung – ohne Zentralbank oder Schatzkammer gibt es meistens auch kein Bargeld.

Virtuelles Geld

Bei virtuellem Geld unterscheiden die Forscher zwischen Einlagen bei Privatbanken und elektronischem Geld von Zentralbanken. Virtuelles Geld habe demnach keine physische Repräsentation – es existiere lediglich in den Konten der Banken, als Eintrag in einem Rechnungssystem. Dadurch kann man es jedoch auch besser übertragen als Bargeld – zum Austausch muss niemand tatsächlich vor Ort sein.

In den meisten Ländern, so die Forscher, benutzen Haushalte und Unternehmen Privatbanken, um elektronische Zahlungen zu tätigen. Dazu gibt es Kreditkarten, Debitkarten, Schecks und Online-Banking. Die Banken konkurrieren um die Einlagen der Kunden – daher kann man das Geld in der Herstellung hier auch als konkurrenzfähig betrachten. Es handelt sich um ein zentralisiertes Zahlungssystem – die Banken sind die Vermittler.

Bei virtuellem Geld von Zentralbanken ist der öffentliche Zugang hingegen beschränkt. In der Schweiz haben demnach nur rund 200 Intermediäre Konten bei der Schweizer Zentralbank. Das Geld der Zentralbanken ist somit monopolisiert, Transaktionen finden in einem zentralisierten Zahlungssystem statt.

Virtuelles Geld hat den Vorteil, dass man damit schnelle Überweisungen tätigen kann. Außerdem bietet es die Möglichkeit, den Austausch auch ohne Anwesenheit der Tauschenden zu gewährleisten. Jedoch ist es nicht jedem zugänglich.

Bitcoin

Bei Bitcoin hingegen verhält sich der Fall anders. Die Besitzrechte werden dezentral oranisiert, die Blockchain ist das Buchhaltungssystem, das die Transaktionen überwacht, die Miner sind die Buchhalter. Kryptowährungen kombinieren damit die Vorteile der Transaktionen von virtuellem Geld mit der Unabhängigkeit dezentraler Transaktionen, so Berentsen und Schär. Außerdem ist es in der Herstellung wettbewerbsfähig.

Bitcoin behält den Vorteil des Bargeldes und kann seinen Nachteil abschaffen: Es kommt ohne vermittelnde Instanz aus, ist pseudonym und kann dabei Ländergrenzen überschreiten. Mit letzterem Aspekt bedient es sich der Vorteile von „virtuellem“ Geld, dass es nicht von zentralen Instanzen herausgegeben werden muss. So ist es auch im Herstellungsprozess unabhängig und darüber hinaus noch konkurrenzfähig.

Fazit

So weit die Theorie. Wie auch Berentsen und Schär in ihrem Paper einräumen, hat Bitcoin momentan noch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. So ist es nach wie vor die Skalierungsfrage, die man angemessen beantworten muss. Darüber hinaus fehlt es an der Akzeptanz in der Bevölkerung. Potential ist jedoch vorhanden.

BTC-ECHO

 

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