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Aus Angst vor US-Justiz? Milliardenschwerer Bitcoin-Betrüger will Auslieferung nach Russland

Selim Baykara

von Selim Baykara

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Selim Baykara

Selim Baykara ist seit 2015 im Tech-Journalismus unterwegs. Davor hat er Englisch an der Universität Mainz studiert und war mehrere Jahre als freiberuflicher Autor und Übersetzer tätig.

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Quelle: Shutterstock

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Alexander Vinnik, der inhaftierte Betreiber der ehemaligen Krypto-Handelsplattform BTC-e, möchte nach Russland verlegt werden. Der Russe, dem Geldwäsche in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar vorgeworfen wird, hat jetzt bei einem griechischen Gericht Berufung eingelegt, um die Verlegung in sein Heimatland zu erwirken. Möglicherweise aus Furcht vor dem langen Arm der US-Justiz?

Wie die griechische Nachrichtenseite ekhatimerini berichtet, stellte Vinnik am Mittwoch, dem 20. März, beim Gerichtshof der Stadt Piräus einen Antrag, um aus humanitären Gründen nach Russland ausgeliefert oder entlassen zu werden. Vinnik befindet sich seit 90 Tagen im Hungerstreik, weshalb sein Transport zum Gericht unter medizinischer Aufsicht erfolgte.

Angeblicher Bitcoin-Betrüger „in Lebensgefahr“: USA fordern 55 Jahre Haft

Seinen Anwälten zufolge, befindet er sich in Lebensgefahr, außerdem seien die Anschuldigungen gegen ihn „unbegründet“. Die Anwälte kritisierten zudem die griechische Justiz. Angeklagte dürfen laut Gesetzt höchstens 18 Monate in Untersuchungshaft verharren – Vinnik sitzt inzwischen aber schon fast zwei Jahre ein, ohne dass man ihm den Prozess gemacht hat.

Der Betreiber der Plattform BTC-e befindet sich seit Juli 2017 in griechischer Untersuchungshaft. Ihm wird Geldwäsche und schwerer Betrug vorgeworfen – Vinnik soll im Verlauf von mehreren Jahren über vier Milliarden US-Dollar in Bitcoin gewaschen haben.


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Seit seiner Verhaftung haben die Regierungen der USA, Russland und kürzlich Frankreich seine Auslieferung beantragt. Die USA verhängten 2017 eine Strafe in Höhe von 110 Millionen US-Dollar gegen die Plattform BTC-e und eine weitere Strafzahlung über zwölf Millionen US-Dollar gegen Vinnik persönlich. Bei einer Auslieferung in die USA drohen ihm dort bis zu 55 Jahre Gefängnis.

Russland setzt sich für ehemaligen Betreiber von BTC-e ein

Bevor Vinnik seinen Antrag stellte, hatte sich bereits die russische Menschenrechtskommissarin Tatjana Moskalkowa für ihn eingesetzt. Sie bat sowohl die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte Michelle Bachelet als auch den griechischen Justizminister Michalis Kalogirou, Vinnik bei der Auslieferung an Russland zu unterstützen. Die Petition wurde im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Gesundheit von Vinnik eingereicht.

Moskalkowa betonte zudem, dass Vinniks Frau schwer krank sei und „an der Schwelle zum Tode“ stehe. In Anbetracht dieser außergewöhnlichen Umstände bitte sie darum, Vinnik nach Russland zu verlegen, wo er seiner Familie näher sein könne. Zudem schrieb sie Briefe an den Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes, Peter Maurer, den griechischen Gesundheitsminister Andreas Xanthos und den griechischen Ombudsmann Andreas Pottakis. Dort bat sie um medizinische Unterstützung nach dem Hungerstreik von Alexander Vinnik.

Alexander Vinnik: „Ich bin unschuldig.“

Vinnik selbst hat bislang immer wieder seine Unschuld betont: „Ich bin unschuldig. Die Tatsache, dass ich bei BTC-e arbeitete und dort meinen Job erledigte, reicht nicht aus, um mich zu verurteilen.“

Die 2011 gegründete Trading-Plattform wickelte seinerzeit etwa drei Prozent des gesamten Handelsvolumens von Bitcoin ab. 2017 wurde die Domain dann nach der Verhaftung zahlreicher Mitarbeiter von US-Behörden beschlagnahmt und vom Netz genommen.

Mögliche Verbindung zum russischen Geheimdienst

Neben den USA ist auch Frankreich hinter Vinnik her. Er soll zwischen 2016 und 2018 über 100 Menschen in sechs französischen Städten um ihr Geld betrogen haben. Vinnik zufolge ist das aber nur ein Vorwand: In Wirklichkeit versuche die USA, ihn mithilfe von befreundeten Drittstaaten festzusetzen.

Dabei steht auch eine mögliche Verbindung zur russischen Hackergruppe Fancy Bear im Raum. Diese Gruppe soll im Dunstkreis des russischen Auslandsgeheimdienstes GRU operieren und wird für verschiedene schwere Hacker-Angriffe auf westliche Staaten und Institutionen verantwortlich gemacht, darunter auch politisch motivierte Cyber-Attacken auf das Weiße Haus, die NATO oder den deutschen Bundestag.

Geht es den USA mit ihrem Auslieferungsantrag also womöglich um viel mehr? Es bleibt abzuwarten, wie Griechenland auf den Antrag von Vinnik reagiert. Selbst wenn er seine Ausweisung nach Russland erreichen sollte, dürfte er dort aber kein leichtes Spiel haben. Der russische Oberste Gerichtshof nahm Ende Februar den illegalen Einsatz von Kryptowährungen in die Liste der Straftaten im Zusammenhang mit Geldwäsche auf.


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