Alles Market Cap oder was?! Einige Gedanken zum Marktkapital

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Alles Market Cap oder was?! Einige Gedanken zum Marktkapital

Das Marktkapital ist die primäre Größe, nach der sich ein Krypto-Index wie Coinmarketcap oder unser Preisindex richtet. Für einen groben Vergleich ist dieses Maß sinnvoll, aber taugt es für Weiteres? Ein Blick auf das Marktkapital und worauf man stattdessen achten könnte. 

Die Marktkapitalisierung – für den durchschnittlichen Kryptojünger wohl eine der am meisten betrachteten Zahlen. Wie häufig besucht man Seiten wie eben Coinmarketcap? Auch auf BTC-ECHO wurde – gerade im Bullen-Run Ende Dezember – häufiger das Marktkapital betrachtet. Auch jetzt wird in jeder Marktanalyse ein Blick auf dasselbe geworfen.

Manchmal wird das Marktkapital jedoch zu wörtlich genommen. In der jüngsten Debatte um den Kauf Githubs von Microsoft verglich Qiao Wang die Marktkapitale von EOS und Github:

Derartige Vergleiche hört man öfter im Bereich der Kryptowährungen. Als eine grobe Orientierung sind sie nicht falsch, aber oft werden Äpfel und Birnen gleichgesetzt. So zum Beispiel auch hier: Der Kauf eines Unternehmens für sieben Milliarden US-Dollar lässt sich nicht mit einem aktuellen Marktkapital einer Kryptowährung gleichsetzen. Das liegt in der Definition des Marktkapitals begründet: Das Marktkapital ist das Produkt aus dem aktuellen Marktpreis und dem Supply eines Coins.

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Die Gleichsetzung impliziert, dass eine reiche Entität tatsächlich für zwölf Milliarden US-Dollar den gesamten EOS-Bestand kaufen könnte. Das ist, egal in welche Richtung man es dreht, inkorrekt, wie die folgenden Betrachtungen zeigen.

Coins mit geringem Marktkapital: Wal sein für wenig Geld?

Einmal ein Wal – wer sinnierte nicht darüber? Man könnte wie die da oben Kurse manipulieren, wäre cryptorich und nach einem gut platzierten Verkauf sogar tatsächlich wirklich reich. Einziges Problem ist, dass es teuer ist, signifikante Anteile an einer Kryptowährung wie Bitcoin zu kaufen. Doch wie steht es mit eher unbekannten Tokens?

Als Beispiel dient der fiktive BTC-ECHO-Coin, kurz BEC. Sein Supply beträgt 1.000 BEC und der aktuelle Marktpreis schlanke 0,01 Euro. Damit beträgt das Marktkapital lediglich 10 Euro – ein Betrag, den jeder aufbringen kann!

Der Wal in spe denkt sich, dass er 50 Prozent der Währung halten möchte. Eine einfache Rechnung gemäß Marktkapital würde auf eine notwendige Summe von 5 Euro kommen.

Ein Blick auf das Order-Book zeigt, dass die Rechnung nicht so einfach ist. Da der Wal sich für einen BEC-Kauf interessiert, betrachten wir etwas mehr die Verkaufsorder. Sagen wir, dass im Order Book aktuell 300 BEC für 0,02 Euro gelistet sind. Weitere BEC sind teurer zu erwerben.

50 Prozent des gesamten Supplies vom BTC-ECHO-Coin entsprechen 500 BEC. Das bedeutet, dass er alle Verkaufsorder zu einem Preis 0,02 Euro und 200 BEC für 0,05 Euro kaufen muss. Insgesamt muss er für den Erwerb von 50 Prozent des BEC-Marktkapitals schon 16 Euro aufbringen – mehr als dreimal so viel wie er dachte!

Marktkapital entspricht nicht investiertem Geld

Interessant ist auch, dass sich das Marktkapital durch ein Invest von 16 Euro verfünffacht hat. Der zukünftige Wal kaufte die Sellorder für 0,02 Euro auf und musste, um die Hälfte des bestehenden Coin-Supplies zu besitzen, noch einige Coins für 0,05 Euro erwerben. Aktueller Coin-Preis beträgt also 0,05 Euro. Bei einem Supply von 1.000 BEC erhält man so ein Marktkapital von 50 Euro – mit einem Investment von 16 Euro!

Dasselbe gilt auch umgekehrt: Der Wal könnte seine Coins für 0,04 Euro verkaufen. 500 BEC à 0,04 Euro ergibt einen Umsatz von 20 Euro und damit einen Gewinn von 4 Euro oder 25 Prozent. Es wäre also ein lukrativer Verkauf. Das Marktkapital wäre in der Zeit auf 40 Euro gefallen – deutlich weniger als das, was er verkaufte.

Man sieht also, dass das Marktkapital nicht den realen Geldfluss in eine Kryptowährung darstellt.

Worauf statt dem Marktkapital achten?

Es stellt sich also die Frage, was für eine Größe gegebenenfalls sinnvoller zum Vergleich der Kryptowährungen wäre. Zwar existieren interessante Betrachtungsweisen wie das Metcalfésche Gesetz oder die Bitcoin Price Equivalence. Das Problem ist jedoch, dass diese Größen eher selten von Index-Seiten wie Coinmarketcap oder unserem Preisindex verwendet werden. Statt einer Analyse dieser komplexen Messgrößen ist auf jeden Fall ein zusätzlicher Blick auf das Handelsvolumen hilfreich. Ein Blick auf die ersten Plätze bezüglich des Handelsvolumen bringt auch Interessantes zutage:

Tether besitzt ein Handelsvolumen, welches etwas mehr als halb so hoch wie das von Bitcoin ist. Generell entspricht die Struktur der Top 10 nicht der des Marktkapitals. Ganz besonders fällt auf, dass mit True Chain eine eher unbekannte Kryptowährung vorkommt. Wenn man das Handelsvolumen gemeinsam mit der Kursänderung betrachtet, lässt sich abschätzen, ob Geld in die Kryptowährung geflossen ist oder aus ihr gezogen wurde.

Nach der Kritik ein kleiner Lanzenbruch für das Marktkapital: Wie oben betont ist das Marktkapital eine akzeptable erste Orientierungsgröße. Was in diesem Artikel illustriert werden sollte, ist lediglich, dass man diese nicht überinterpretieren sollte, sondern zusätzlich andere Größen wie das Handelsvolumen oder die Kursänderung betrachten muss.

BTC-ECHO

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