Adaption falsch verstanden: Deshalb lassen die Bakkt Futures den Markt kalt
Bakkt, Adaption falsch verstanden: Deshalb lassen die Bakkt Futures den Markt kalt

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Adaption falsch verstanden: Deshalb lassen die Bakkt Futures den Markt kalt

Diesen Montag war es soweit: Die lang ersehnten Bitcoin Futures der New Yorker Börse Bakkt wurden zum Handel freigegeben. Doch was passierte? Das Handelsvolumen war mit 71 Bitcoin in den ersten 24 Stunden enttäuschend gering. Der Ansturm blieb aus. Stattdessen krachte der Bitcoin-Kurs am Folgetag in die Tiefe. Welche Fehlannahmen über die Bakkt Futures gemacht wurden und warum der Einfluss auf den Bitcoin-Kurs vorerst verschwindend gering ist. Ein Kommentar.

Fehlannahme Nr. 1: Ein höheres Angebot schafft automatisch eine höhere Nachfrage

Nun ist die Annahme, dass Finanzprodukte, die auf einen neuen Basiswert aufgelegt werden, auch zu Kurssteigerungen führen können, nicht per se falsch. Sofern eine hohe Nachfrage existiert, die bislang nicht ausreichend bedient werden konnte, ist dies durchaus plausibel, Long Position und hohes Handelsvolumen vorausgesetzt. Es gibt allerdings schon seit Ende 2017 Bitcoin Futures von den Börsen CME und CBOE aus Chicago. Diese liefern ein im Grunde ausreichendes Angebot für die bestehende Nachfrage nach Bitcoin Futures. Signifikanten Einfluss auf den Bitcoin-Kurs hatten diese bislang aber auch nicht. So verbuchen die CME/CBOE Futures einerseits ein verhältnismäßig geringes Handelsvolumen. Noch bedeutender ist jedoch der Umstand, dass die Abwicklung der Terminkontrakte in US-Dollar und nicht in BTC erfolgt. Ihr Einfluss auf den Bitcoin-Markt kann also höchstens von mittelbarer Natur sein.

Zwar sind die Bakkt Futures anders konzipiert – ihre Auslieferung und Besicherung erfolgt physisch – dennoch sollte dies nicht automatisch zu einem Ansturm führen. Anstatt in US-Dollar werden die Bitcoin Futures am Ende der Laufzeit durch Bitcoin selbst abgewickelt. Ob diese sogenannte physische Besicherung wirklich von den Investoren so stark nachgefragt wird, mag nach dem schwachen Start zu bezweifeln sein.

Des Weiteren muss sich eine Nachfrage zunächst etablieren. So ist es vollkommen normal, dass Futures nicht in der ersten Handelswoche Unmengen an Volumina für sich verbuchen können. Zum Teil hat dies ganz praktische Gründe. Es ist üblich, dass sich viele Broker bei neuen Terminkontrakten vorerst zurückhalten, um von der Seitenlinie das Handelstreiben zu beobachten. Gerade bei einem so exotischen Basiswert wie Bitcoin, bei dem die Verunsicherung entsprechend hoch ist, ist eine Zurückhaltung der Broker mehr als nachvollziehbar.

Fehlannahme Nr. 2: Die institutionellen Investoren katapultieren die Kurse nach oben


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Es ist kein Geheimwissen, dass es nicht das Geld der Kleinanleger, sondern das Geld der institutionellen Investoren ist, das die Finanzmärkte in die eine oder andere Richtung treibt. Nun ist der Anteil an institutionellen Investoren im Krypto-Markt im Vergleich zu anderen Märkten gering. Als Grund für diese Unterrepräsentanz wird der Mangel an regulierten Produkten ausgemacht. Das Narrativ „mehr regulierte Finanzprodukte führen zu mehr institutionellen Investoren“ trägt den komplexen Prozessen an den Finanzmärkten nicht Rechnung. Zum einen kommt es auf das regulierte Produkt an. Bei einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) mag dies viel eher zutreffen als bei einem Zertifikat respektive Future.

Des Weiteren muss die Börsen-Liquidität groß genug sein, damit man auch entsprechend größere Volumina platzieren kann. Ein institutioneller Investor, der unter zwei Millionen US-Dollar keinen Trade vornimmt, wird wohl kaum eine Kauf- oder Verkaufsorder auf einer Bakkt-Börse vornehmen, deren Handelsvolumen bzw. Liquidität bei ein paar Hunderttausend oder wenigen Millionen US-Dollar liegt.

Stattdessen ziehen klassische Custody-Lösungen das Big Money an. So freut sich beispielsweise der institutionelle Verwahrservice von Coinbase, der größte amerikanische Krypto-Broker, über regen Kapitalzufluss. Da der Krypto-Markt im Grunde noch viel zu klein und unberechenbar für institutionelle Investoren ist, sind Over-The-Counter-Geschäfte via Broker mit angeschlossener Verwahrstelle, die bislang sicherste und bevorzugteste Lösung.

Der interessante Grund für institutionelle Investoren, in Futures oder andere Zertifikatslösungen zu gehen, liegt vor allem in der Möglichkeit, sich short zu positionieren. Langfristig stellen Futures und Optionsscheine eine wichtige Beimischung in Krypto-Portfolios dar, um so die Volatilität zu reduzieren.

Fehlannahme Nr. 3: Was lange währt, wird endlich gut

Die Ankündigung, dass die große Intercontinental Exchange aus New York mit Bakkt eine Börse für Bitcoin Futures umsetzen möchte, ist schon über ein Jahr her. Seitdem wird regelmäßig über Updates und Fortschritte berichtet. So spannend das auf der einen Seite sein mag, so problematisch ist, dass so eine überzogene Erwartungshaltung entsteht. Insbesondere die ständigen Bitcoin-ETF-Absagen der US-Wertpapieraufsicht SEC haben dazu geführt, dass man Bakkt zu einem falschen Ersatz für Bitcoin ETFs hochstilisiert hat. Wenn Wunschdenken über Realismus siegt, dann ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Kurzum: Die neuen Bitcoin Futures von Bakkt stellen eine Bereicherung und einen Fortschritt für das Krypto-Ökosystem dar. Schließlich handelt es sich um die ersten Futures, die effektiv Bitcoins bewegen, anstatt diese nur nachzubilden. Allerdings können sie nicht das Marktumfeld beeinflussen. Wenn die Stimmung wie aktuell eher eingetrübt ist und die Bären die Oberhand haben, dann ändert daran auch die neue Handelsmöglichkeit der Bakkt Futures nichts. Dennoch ist es wichtig, dass man das Angebot im Krypto-Ökosystem weiter ausbaut. Ganz gleich, ob es sich um Finanzprodukte, Börsen oder STO-Plattformen handelt. Ohne ein attraktives Angebot kann sich in Zukunft auch keine Nachfrage effektiv entfalten.

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