5 Dinge die die Blockchain Industrie ab 2017 nicht mehr sagen sollte

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5 Dinge die die Blockchain Industrie ab 2017 nicht mehr sagen sollte

Dieses Review von CoinDesk Journalist Bailey Reutzel nimmt einige Hauptthemen der heutigen Bitcoin- und Blockchain-Welt auf's Korn.

Die Bitcoin- und Blockchain-Welt wächst stetig. Doch wenn neue Interessenten dazustoßen, sehen sie sich immer wieder den gleichen ermüdenden Gesprächsthemen ausgesetzt.

Während wir uns auf das Jahr 2017 zubewegen, sollten einige dieser Gesprächsthemen zunächst ganz außen vor gelassen werden.

Im Folgenden schauen wir auf ein Review der größten Redewendungen der Blockchain. Es geht nicht nur um manche inhaltslose Aussagen, sondern auch um jene die einfach Nichts zum größeren Ziel der Technologie beitragen.

1 To the Moon

Bitwala stellte eine Frage per Tweet an Eric Martindale. Seine Antwort zur diesjährigen Money2020.

bitwala_tweet
Tweet: “Preis des Bitcoin #Money2020 [für] 2017? Antwort: 6000 US-Dollar! – @martindale Zum Mond!”

Gibt es einen bestimmten Grund seine wage Behauptung, über die Preisentwicklung, mit einem Lippenbekenntnis abzuschließen? Prognosen des letzten Jahres und des Jahres davor waren allesamt falsch.

Bitcoin könnte bis 2018 10.000 US-Dollar pro bitcoin kosten. Ernsthaft, Tim Draper? Ich nehme mal an es gibt noch genügend Zeit für seine Prognose. Andersherum bleibt aber keine mehr für Pantera Capitals Vorhersage von 10.000 Dollar pro Coin für dieses Jahr.

Am Anfang des Monats bot die Saxo Bank eine (ebenso “gewagte”) Prognose für das nächste Jahr heraus. Der Preis pro Coin soll 2.000 US-Dollar erreichen. Die Gründe? Die Erwartung, dass der zukünftige US-Präsident Donald Trump möglicherweise große Ausgaben unternehmen wird. Auch nicht zu vergessen sind die Währungsbeschränkungen in China und Indien.

Über den Bitcoin Preis zu sprechen, ist nicht nur für sein Ziel als alternative Währung und Zahlungsmethode irrelevant. Die Erwähnung solcher Prognosen zündet nur weiteres spekulatives Pulver.

Laut Coinbase sind rund 70% ihrer Transaktionen auf der Plattform spekulativer Natur. Die restlichen 30% fallen auf echte Zahlungen aus. Das Hypen des Preises macht also lediglich die Day-Trader reicher. Daran ist per se nichts falsches, aber wie ich bereits erwähnte steckt dahinter kein wirklich altruistisches Ziel.

Lasst uns also damit aufhören solche Dinge zu sagen wie: “Wenn du beim IPO 1.000 Dollar in Facebook-Aktien gesteckt hättest und 1.000 Dollar in Bitcoin zur gleichen Zeit, dann würden deine FB-Aktien jetzt bei 3.200 Dollar gegen 141.00 Dollar Bitcoin stehen.”

Danke für die Anmerkung Roger Ver. Wir haben es verstanden, du hast Millionen gemacht.

2 Blockchains für ALLES!!!

fredehrsam_tweet
Tweet: “Blockchains werden die meisten der heutigen Unternehmensmodelle auf den Kopf stellen”

Fred Ehrsam, Mitbegründer von Coinbase, tweetete dies mit einem Link zu seiner Kolumne in The Wall Street Journal. Der Kern seiner Kolumne dreht sich darum, wie die Blockchain Unternehmensstrukturen total “auf den Kopf stellen” könnte. Aus seiner Sicht (und vieler anderer) werden zentralisierte Institutionen in dezentrale Software-Protokolle aufgespalten werden, sodass die Menschen alles über Peer-to-Peer erledigen können.

Obwohl dezentrale Netzwerke in manchen Fällen wirklich Sinn machen, sind sie in anderen total ineffizient. Es ist wirklich schwer mit ihnen umzugehen. Fragt einfach mal Menschen die damit arbeiten, wie beispielsweise die Bitcoin Core Entwickler, wenn sie sich über den Prozess zum Erreichen des Consensus aufregen.

Viele Blockchain-Unternehmer sprechen in weit gefassten und abstrakten Konzepten (Quacksalber). Es geht selten um die technischen Details und wie die Technologie überhaupt dazu genutzt werden soll, die Probleme der Industrie zu lösen. Häufig liegt das daran, dass diese Unternehmer nicht genau wissen warum derzeitigen Industriezweige, wie das Gesundheitswesen, so arbeiten wie sie arbeiten.

Der einseitige Optimismus schlägt sich auch auf die Wertschätzung der Kunden nieder. Viele Prediger fragen sich warum Leute überhaupt noch Papiergeld, Schecks, Kreditkarten oder überhaupt andere Dinge als Kryptowährungen für Transaktionen benutzen.

Der Ton ist derzeit pompös und jeder Konsument – von Großmüttern über Unternehmenseignern bis hin zu Jugendlichen – werden in eine Kategorie geworfen. Doch diese Schichten haben für ihre Transaktionsvorlieben verschiedene Gründe und Abneigungen.

3 Keine Beschwerden

Andreas Antonopoulos, ein Industrieexperte tweetete zuletzt:

andreas-antonopoulos_tweet
Tweet: “Lukrative Bitcoin Unternehmen die nie etwas für die Bitcoin Entwickler oder den Open-Source Code beigetragen haben, sollten keine Basis für Beschwerden haben. #abnehmer”

Das ist jetzt aber lustig. Was ist mit dem Spruch “Wir sind alle Satoshi?”. Ich denke mal das gilt nur, wenn man mit Antonopoulos einverstanden ist. Hört sich ein wenig tyrannisch für jemanden an, der das Staatsorgan eigentlich nicht mag.

Dies wird innerhalb des Sektors ziemlich übertrieben. Wenn jemand nicht einverstanden ist gibt es keinen zivilisierten, gebildeten Diskurs – es wird gemobbt. Gegner, oder nur jene die eine leicht andere Weltansicht haben, werden verbal von Leuten attackiert, die sich häufig hinter pseudonymen Profilen verstecken.

Das echte Problem liegt aber darin, dass die Bitcoin Entwickler zwar ein Protokoll erstellt und gewartet haben, dass Unternehmen nutzen können. Doch Unternehmen haben es einfacher gemacht, mit diesem Protokoll zu interagieren. Im Gegenzug haben sie zahlreiche Menschen zu dieser Technologie eingeladen.

Diese massive Aufnahme brachte noch mehr Entwickler und Unternehmer, sogar mehr Verbraucher und Investoren in den Sektor.

Wie Tim Swanson, Direktor der Marktforschung bei R3CEV tweetete:

tim-swanson_tweet
Tweet: “Es ist beschämend zu sehen, dass @jerallaire von einer Community als Bösewicht hingestellt und getrollt wird, obwohl eben je von seinem unternehmerischen Erfolg profitiert hat.”

Während diese Unternehmen den Entwicklern des Protokolls etwas zurückgeben sollten (so wie jedes Unternehmen online der Open-Source Community etwas zurückgeben soll, welche das Internet am Leben erhält), so bekommen diese Unternehmen dennoch ein Stimmrecht in der Industrie.

4 Code is law – Code ist Gesetz

Weniger als drei Monate vor dem bekannten DAO Hack schrieb Stephan Tual, Gründer und Chief Operating Officer bei Slock.it folgenden Tweet. Slock.it entwickelte die freie Open-Source Software für The DAO:

Tweet: ""Aber wie verklagt man eine DAO?" sagte der verwirrte Dezentralisierungs-Aktivist. Code ist Gesetz. #ethereum #blockchain"
Tweet: “”Aber wie verklagt man eine DAO?” sagte der verwirrte Dezentralisierungs-Aktivist. Code ist Gesetz. #ethereum #blockchain”

Dieser Tweet kam nach einem einleitenden Blog-Post heraus, in dem stand: “Eine DAO ist eine Organisation die sich selbst verwaltet und nicht durch äußere Einflüsse beeinflusst wird: ihre Software läuft eigenständig, ihre eingebauten Gesetze sind unabänderlich in die Blockchain geschrieben und sie wird nicht durch ihre Erschaffer kontrolliert.”

Unabänderlich, huh?

Und noch was, ein paar Tage vor den Angriffen liegt der Fokus auf einem Bild, von Slock.it Gründer und Chief Technology Officer Christopher Jentzsch:

Meme: "Ich für meinen Teil heiße die neuen DAO-Herrscher willkommen"
Meme: “Ich für meinen Teil heiße die neuen DAO-Herrscher willkommen”

So viele Tests und Audits die man dem The DAO Code angeblich unterzogen hat und trotzdem fiel niemandem die rekursive Schwachstelle auf, die es dem DAO-Hacker – mit den Gesetzen des Codes – ermöglichte mehr als 58 Millionen Euro in Ether von den Investoren aus der DAO auf seinen eigenen Account zu übertragen.

Dezentrale Software kann keine sozialen Probleme aus seinem Code aussperren (eine Problemklasse die häufig auftritt). Die DAO, und nicht nur ihr Niedergang, geben der Industrie ein passendes Beispiel.

Die Anzahl von Token als Reputationsbasis und Stimmrecht für ein Individuum zu nutzen führt nur dazu, dass diejenigen die sozial-ökonomisch benachteiligt sind, auf der Strecke bleiben. Das ist derselbe Nachteil mit dem die heutigen traditionellen Systeme selbst zu kämpfen haben.

Parallel mit diesem Mantra geht ein Opfer-Blaming einher, dass den Leuten einerseits die Freiheit geben soll in alles zu investieren was sie wollen. Doch andererseits sind sie selber Schuld wenn sie alles verloren haben, denn sie könnten ja den Code besser überprüft haben können.

Es ist derselbe Nonsense der passiert, wenn das Smartphone einer Person gehackt wird und ihre sexy Schnappschüsse im Internet landen. Entweder hätten sie sie nie schießen sollen oder bessere Passwörter benutzen sollen.

Es ist ähnlich wie die Haltung der Kryptowährungs-Community gegenüber Initial Coin Offerings (ICO).  Sie sind eigentlich Crowdfunding-Kampagnen um durch den Verkauf der Tokens Finanzierungsmittel für die Entwicklung zu bekommen.

Der Glaube, dass die Teilnehmer alle Risiken kennen, besonders in einem undurchsichtigen und neuen technologischen Umfeld, führte bei vielen nur zur Aussetzung von Pump-and-Dump Strategien und anderen zwielichtigen Aktionen.

Zwar ist es besser die Risiken und den Code zu kennen, wenn nicht gar notwendig, doch das bedeutet nicht, dass die Industrie den Betrüger von etwaigen Konsequenzen befreien sollte.

Ein passenderes Motto wurde nach einer Veröffentlichung von Primavera De Filippi und Samer Hassen benannt: “law is code“. In ihrem akademischen Bericht gehen die beiden davon aus, dass ein Gesetz als Code definiert werden kann, aber das der Code mit Begrenzungen daher kommt, da er doppeldeutige und dehnbare juristische Inhalte in eine Sprache für Maschinen überträgt.

5 Alles ist Blockchain

Was ist Blockchain?

Es ist ein Begriff den die Industrie selbst nach Jahren versucht zu beschreiben. Normalerweise hängt die Definition des Wortes davon ab ob man “eine” oder “die” davor setzt.

Und dennoch ist Blockchain austauschbar mit Distributed Ledger Technology geworden und Distributed Ledger Technology kann theoretisch alles sein, was Informationen zwischen ein paar Teilnehmern austauscht.

Um den Schleier etwas weiter zu tragen verglich William Mougayar in einem Tweet die Blockchain mit Google Docs Eigenschaft zur gleichzeitigen Bearbeitung. Mougayar ist Autor von “The Business Blockchain” und Berater für mehrere Blockchain Startup Projekte.

Tweet: "Wenn Sie Google Docs verstehen, können sie auch Blockchain verstehen"
Tweet: “Wenn Sie Google Docs verstehen, können sie auch Blockchain verstehen”

Es ist nicht nur verwirrend, sondern auch irreführend. Durch diesen Vergleich werden die ökonomischen Anreize von bitcoin (der ersten Blockchain) völlig vernachlässigt und letztendlich wird die Blockchain zu einer einfachen traditionellen Datenbank degradiert.

Laut James Wester, Forschungsleiter für Globale Zahlungsdienste bei IDC Financial Insights, verlor der Begriff “Blockchain” bereits sein Mysterium.

“Es klappt noch bei Außenstehenden, aber in der Industrie sind solche Phrasen ein Signal dafür, dass die Person mit der man spricht nicht wirklich weiß was unter der Oberfläche passiert,” sagte er.

Also dann, wisst ihr denn wovon ihr redet? Oder nicht?

BTC-Echo

Englische Originalfassung von Bailey Reutzel via coindesk

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