Südkorea, Regulierung, FUD und der Kurssturz: Eine Einordnung

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Südkorea, Regulierung, FUD und der Kurssturz: Eine Einordnung

In den letzten Tagen überschlugen sich die Nachrichten aus Südkorea: Ein neues Namen-Tracking-System, der Ausschluss ausländischer Kunden bei Banken, Richtlinien zur Geldwäsche.

Während die Welt für gewöhnlich den nördlichen Nachbar des ostasiatischen Staates beobachtet, blickt die Krypto-Welt eher nach Süden. Was dort momentan passiert, zeigt, dass wir noch am Beginn einer Annäherung stehen. Es ist die Annäherung einer neuen Technologie, die auf alte Strukturen trifft. Dass es dabei hin und wieder kracht, darf nicht weiter verwundern. Doch verschaffen wir uns zunächst einen Überblick.

Südkorea, das neue Tracking-System & Insider-Handel

Wie wir bereits berichteten, hat die Regierung in Südkorea ein System entwickelt, welches die Echtheit von Namen überprüfen soll. Dies stellen eine regulatorische Maßnahme dar: Für südkoreanische Börsen wird es somit künftig Pflicht sein, Informationen über Transaktionen mit der Regierung zu teilen. Ziel ist es dabei offensichtlich, einen oft gefeierten Vorteil von Kryptowährungen einzudämmen: die Anonymität.

So sollen mit dem neuen System Namen auf Echtheit geprüft werden, darüber hinaus wird es Nutzern nur noch möglich sein, sich mit ihren realen Namen zu registrieren. Zu den Banken, die das System verwenden, gehören die Nonghyup Bank, die Industrial Bank of Korea, die KB Kookmin Bank und die Shinan Bank. Die Banken werden das System zunächst auf Accounts anwenden, die bereits vorhanden sind. Bis sie damit alle bestehenden Konten überprüft haben, werden neue Registrierungen gesperrt sein. Zudem plant die Financial Intelligence Unit aus Südkorea die Veröffentlichung von Richtlinien zur Vermeidung von Geldwäsche. Das System wurde am 20. Januar implementiert.

Mit der Kontrolle der Namen wollen die Behörden zudem verhindern, dass Jugendliche sich in dem Handel von Kryptowährungen verstricken. Dies würde sie, wie die Regierung befürchtet, „korrumpieren“. Weiterhin kündigte die Regierung an, künftig gegen Marktmanipulationen vorzugehen.

Interessanterweise wurden die Probleme in diesem Bereich in den eigenen Reihen identifiziert. So stehen dahingehend Regierungsbeamte im Verdacht, Insider-Handel betrieben zu haben. Beamte sollen zunächst ordentlich in Bitcoin investiert haben, um dann kurz vor den Regulierungsankündigungen auszucashen.

Was letztlich hinter dem Move zu vermuten ist, ist zudem die Besteuerung von Trades. So berichteten südkoreanische Medien, dass sie bald bis zu 24,2 % Steuern auf Einkommen erheben, welches aus dem Handel auf Kryptobörsen kommt. Berichten zufolge soll bithumb, Südkoreas größte Handelsplattform für Kryptowährungen, um die 56 Millionen US-Dollar Steuern zahlen. Auch andere Börsen wie UpBit, Coinone und Korbit wird das betreffen. Ab dem 30. Januar wird es nach Berichten der Banken wieder möglich sein, neue Accounts zu eröffnen – dann letztlich nur noch unter den echten Namen.

Die Einordnung

Zunächst zeigen die Ereignisse den eingangs erwähnten Clash von „alten“ Strukturen und „neuer“ Technologie. Was Kryptowährungen sicher für viele interessant macht, ist die dahinterstehende Idee der Anonymität. Beweggründe hin oder her, für viele sind – gerade im Finanzsektor – anonyme Transaktionen interessant.

Dass das nicht unbedingt im Interesse eines Staates ist, liegt auf der Hand. Wenn sich Finanztransaktionen nicht nachvollziehen lassen, lassen sie sich nicht besteuern. Wenn sich darüber hinaus die Identität von Konten-Inhabern nicht zweifelsfrei feststellen lässt, entgleitet den Behörden die Kontrolle.

Und noch etwas liegt auf der Hand, wenn auch nicht ganz so offensichtlich. Wenn die Regierung nun ankündigt, dass die Anonymität nicht mehr gewährleistet ist und Kryptobörsen künftig Steuern zahlen müssen, schreckt das viele ab. Die Auswirkung: FUD (Fear, Uncertainty and Doubt/Furcht, Ungewissheit und Zweifel). Wenn dann viele Verängstigte noch schnell vor dem Eintritt der Regulierungen bei den größten Handelsbörsen weltweit auscashen, wirkt sich das sicher in der ein oder anderen Weise auf den Kurs aus.

Die Börsen werden ihren Weg finden

Doch wie der Blick in die Vergangenheit uns lehrt, ist diese Panik für einen so neuen Markt einerseits fast schon typisch und andererseits übertrieben. Als China nämlich letztes Jahr das Verbot von ICOs und eine weitläufige Regulierung angekündigt hat, war die Panik ähnlich groß wie in den letzten Tagen. Der Kurs fiel drastisch, die Blase war mal wieder geplatzt. Dass es danach wieder steil bergauf ging, wissen die meisten unserer Leser: Gleich im Dezember jagte ein Allzeithoch das nächste. Die betroffenen Börsen wanderten schließlich ab, hauptsächlich nach Hongkong oder Japan.

Sicher ist die Zukunft ungewiss, der Kurs kann weiter abrutschen. Auch sind Schwankungen niemals mit ausschließlich einzelnen Ereignissen zu begründen – oft korrelieren zahlreiche Ereignisse und der nach wie vor blutjunge Krypto-Markt pendelt sich irgendwie ein. (Gerade in diesem Zusammenhang muss man unter anderem auch die Bitcoin-Futures und ETF erwähnen.)

Ein Letztes noch: Vielleicht schafft es die „neue“ Technologie es ja in Zukunft, sich aus dem „alten“ System zu lösen. Letztlich sind es Ereignisse wie in Südkorea, bei denen eine dezentrale Technologie in institutionelle Strukturen eingearbeitet wird, die die Entwicklung behindern. Ein Griff an die eigene Nase könnte hier helfen; schließlich ist es das Grundprinzip der Blockchain, eine dezentrale Organisation ohne staatlichen Eingriff möglich zu machen.

BTC-ECHO

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