Bitcoin vs. Ethereum: Koexistenz oder Konkurrenz ?

Ethereum und Bitcoin - Feinde oder Freunde?

In den letzten Wochen und Monaten hat das russische Softwaregenie, Vitalik Buterin, mit der Entwicklung von Ethereum, einem Blockchain-Projekt, Aufsehen erregt. Die Dimension dieser neuen Internetinfrastruktur übersteigt bei weitem die Diskussion, um die Umsetzungsfähigkeit von Digitalwährungen, wie eben Bitcoin. Ethereum will mehr als nur eine Cryptocurrency sein. Die Fokussierung auf das monetäre wird geradezu übersprungen, um selbstbewusst neue Gestaltungsebenen in den Blockchain-Diskurs einzuführen. Die Logik seines Projektes erläutert er wie folgt:

„Ich habe erkannt, dass eine effizientere und potentere Form von Geld der eigentlich am wenigsten interessante Teil ist,“ äußert sich Buterin zu der Entwicklung von Ethereum.

Doch was ist dann der interessantere Teil an dem Butkin und Microsoft zusammen dran arbeiten? Eine Einordnung oder Grenzziehung des Projektes scheint fast unmöglich. Versucht man sich dem Ausmaß, dieses dezentralen und zensurfreien Netzes, anzunähern so beginnt man bei der Ausgestaltung von Verträgen, sog. Smart Contracts.

Vereinfacht gesagt: Was Bitcoin für Geld ist, ist Ethereum für Verträge.

Das bedeutet, dass mit den Programmierungsmöglichkeiten von Ethereum ein Hauskauf in Zukunft ohne Notar und eine Eheschließung ohne Eintragung beim Standesamt möglich ist. Es geht also um Vertragsgestaltung ohne eine zentrale Kontrollinstanz. Auf dieser Logik baut auch die Bitcoin-Blockchain auf. Diese ist bislang allerdings auf den Zahlungsverkehr beschränkt und viele Experten bezweifeln, dass darüber hinaus noch mehr Gestaltungspotential in Bitcoin steckt.

Ethereum geht aber weit über das Programmieren intelligenter Verträge hinaus. Glaubt man Butkins Vision, so werden zukünftig ganze Organisationen mithilfe einer flexibel programmierbaren Blockchain-Technologie aufgebaut und gesteuert werden können, sog. Doas. Mehr noch, Butkin kratzt damit an der „Noch-Utopie“ eines dezentralen, autonomen und nicht-geographischen Staatsentwurfes, dessen demokratische Programmierung oder besser gesagt Konstituierung durch Ethereum designt und organisiert wird. Kurz um: Das theoretisch Machbare ist beeindruckend, die reale Umsetzung hingegen weit entfernt und so gibt es noch viele Fragestellungen die Butkin und sein Team lösen müssen.

Während Bitcoin vorrangig als Zahlungsmittel genutzt wird, wird Ether, die Währung von Ethereum, als „crypto-fuel“ gesehen. Das bedeutet, dass der Zweck von Ether nicht der Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen ist, sondern vielmehr eine Art Treibstoff für kollektiv bereitgestellte Rechenleistung vorzuhalten. Wir sprechen hier also weniger von einer klassischen Währung oder Anlage als vielmehr von dem Anspruch ein dezentrales Serversystem zu nutzen, sprich Rechenkapazitäten abzurufen.

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Halten wir fest: Bitcoin und Ethereum sind keine konkurrierenden Digitalwährungen, sondern komplementäre, dezentrale Netzinfrastruktursysteme.

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Bitcoin und Ethereum haben vieles gemeinsam. Besucht man die offizielle Homepage ethereum.org wird seitens des Entwicklerteams klargestellt, dass Ethereum ohne Bitcoin nicht denkbar gewesen wäre. Zum einen wurde das Crowdfinanzierte-Projekt 2013 mit Bitcoins im damaligen Wert von über 18 Millionen US-Dollar finanziert, wobei im Gegenzug Ether ausgegeben wurde. Zum anderen gibt es mehrere Schnittstellen zwischen Bitcoin und Ethereum, die zukünftig folgendes ermöglichen sollen:

Austausch zwischen Bitcoin und Ethereum:

Es wird daran gearbeitet diesen so einfach und nahtlos wie möglich zu gestalten. Zukünftig soll die Option bestehen Bitcoin für Ethereum zu handeln, gleichzeitig die Absicherung und Leistung durch das Bitcoin-Netzwerk zu nutzen, und eine Rückzahlung in Referenz zum Bitcoin Kurs jederzeit zu ermöglichen.

Derivate programmieren:

Da sich Ethereum besser als Bitcoin zum Programmieren eignen soll bietet sich die Möglichkeit komplexe Handelsstrukturen zu entwickeln. Das Prinzip könnte ähnlich wie bei EUR/USD Zertifikaten oder Optionsscheinen funktionieren, wo eine Kursindikation des Basiswertes genutzt wird um ein korrelierendes Derivat zu entwerfen. Das würde bedeuten, dass eine auf Ethereum basierende Währung entwickelt werden könnte, die sich auf den Bitcoin-Wert bzw. -Indikation bezieht. In der Praxis könnte das so aussehen, dass mit Bitcoins sog. Token erworben werden können, welche die Rückzahlung in gleicher Höhe der eingezahlten Bitcoins gewährleisten und dabei mit Ethereum- Verträgen oder -Anwendungen kompatibel sind.

Bitcoin Codierung zur Ethereum-Transformation nutzen:

Mit Hilfe des Bitcoin relay, einem Stück Code vom Bitcoin-Skript, soll es möglich sein Bitcoin in Ethereum zu transkribieren. Die Codierung ermöglicht Bitcoin in einen Kontrakt zu übersetzen, der mit einem Ethereum Kontrakt verbunden ist. Das ganze kann dann, wie bei der Programmierung eines Derivates, durch einem auf Ethereum basierenden Token, der mit Bitcoin besichert ist, umgesetzt werden.

Fazit:

Es ist nicht verwunderlich, dass sich nun auch Microsoft an der Programmierung von Ethereum beteiligt. Schließlich lockt das Versprechen von Effizienz und Automatisierung viele Unternehmen und vor allem auch Banken an. Hier an neuen Prozessen und Vertragslösungen zu arbeiten erscheint vielen sinnvoller als eine weitere Digitalwährung, in Konkurrenz zu Bitcoin, ins Rennen zu werfen. Bitcoin und Ethereum haben das Potential sich ideal zu ergänzen, indem Bitcoin die Währungsinfrastruktur und Ethereum die Programmierungsinfrastruktur stellt. Die Herausforderung wird es sein, diese Kooperation dezentral zu institutionalisieren. Gelingt dies, könnte der Ausbau von Ethereum und die Realisierung gemeinsamer Projekte zur Stärkung der Digitalwährung Bitcoin führen.

BTC-Echo

Foto: ethereum.org

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