Bitcoin-Boom für Dritte Welt – Für UN “Techno-Kolonialismus”

Quelle: Wikipedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Small_Flag_of_the_United_Nations_ZP.svg)

Eine aktuelle Veröffentlichung der UN diskutiert die Position, daß die Bitcoin Community zu “techno-kolonialistischen Solutionismus” und “techno-libertären Evangelismus” neige, wenn sie Digitalwährungen als Lösung für bestimmte Probleme für Dritte Welt Länder vorschlage.

Geschrieben wurde das Paper von Brett Scott im Auftrag des United Nations Research Institute for Social Development. Das Paper erklärt die Grundlagen von Bitcoin und diskutiert mögliche Anwendungen für Überweisungen, genossenschaftliche Strukturen und Mikroversicherungen, speziell in Dritte Welt Ländern.

Er gibt jedoch auch zu bedenken, daß die Bitcoin Community eine Art “Technik-von-oben” Ansatz, der einem Technik als Lösung aller Probleme anpreise, und wirft der Community vor, sie würde mit libertären politischen Idealen evangelisieren.

Im Kontrast dazu werden im Paper Blockchain 2.0-Technologien mit “eher kommunitaristischen Idealen” und ihr Potential für eine “Zusammenarbeit auf hoher Ebene” angepriesen.

Bitcoin – losgelöst von der “düsteren sozialen Realität” in Dritte Welt Ländern

Da Kryptowährungen auf kollaborativen open-source Grundsätzen und peer-to-peer-Netzwerken basieren, sollte laut Scott innerhalb der Bitcoin Community ein generelles soziales Engagement und der Wunsch zur gegenseitigen Hilfe omnipräsent sein.

Jedoch zitiert er Yelowitz und Wilsons Paper von 2015 “Characteristics of Bitcoin Users” und kritisiert, daß Bitcoins Bild in der Öffentlichkeit nun stark mit “Spekulierern, Profitorientierten Unternehmern, Libertären und Leuten mit Tech-Fetisch” assoziiert wird.

Auch wenn Bitcoin als eine Lösung für die Menschen ohne Zugang zu einer Bank in Dritte Welt Ländern angepriesen wird, gibt es laut Scott Zweifel, ob digitale Währungen in Ländern mit begrenztem Zugang zum Internet funktionieren können.

Neben dem Problem, überhaupt ein Vertrauen in eine kaum verstandene Technologie aufzubauen benötigt die Nutzung von Bitcoin sowohl Internet als auch Elektrizität. Daraus schließt Scott, daß die Bitcoin-Community, da sie diese Probleme nicht verstehe “kaum einen Zugang zur düsteren Realität in vielen ärmeren Ländern” habe und fügt an:

“Die oft agressive Rhetorik innerhalb der Community und die Ungleichheit innerhalb des Systems scheinen, zumindest auf den ersten Blick, sich mit den Idealen von sozialen und genossenschaftlichen ökonomischen Bewegungen zu beißen.”

Internet ist ggf keine Lösung

Scott nutzt außerdem die Möglichkeit für eine eher politische Kritik an Bitcoin und sagt daß jene, die Bitcoin als eine “Rettungsbootwährung” anpreisen, die eine “Flucht ins Internet” der Suche nach “grundlegenderen Lösung zur Behebung der Probleme eines Landes” vorziehen.

Das Eintreten für eine Bitcoin-Akzeptanz in wirtschaftsschwachen Nationen sei bestenfalls eine kurzfristige Lösung; laut Scott “lenke dies Länder von einer wirklichen Stärkung von fragilen Institutionen ab”

Weiterhin schreibt er:

“Bitcoin als ein Gegengewicht gegen mächtige Bankenkartelle in mächtigen Staaten wie den USA aufzubauen mag Leuten gefallen, aber ein Land wie Zimbabwe benötigt vor allen ein starkes, integres, Banksystem. Sowas kann nur durch langfristige politische Kämpfe kommen.”

Die Entstehung eines “techno-liberalen Evangelismus” und das Aufkommen von “Blockchain-Missionaren in Entwicklungsländern, die Technologie und Märkte als Messias, gepaar mit einer Anti-Staat-Botschaft predigen” wird im weiteren Verlauf des Schreibens kritisiert.

Wie Technologie nicht in einem Vakuum funktioniert werden laut Scott Bitcoin-Systeme nicht einfach “auf verarmte Dritte Welt Länder zum Segen für alle herabkommen”.
Zum Ende Hin sieht Scott zwar ein paar mögliche sinnvolle Use Cases für Bitcoin und Blockchain-Technologie im Allgemeinen, spricht jedoch auch eine Warnung aus:

“Auch wen die Community um diese Technologie enthusiastisch und innovativ ist, ist sie in ihrer Gesamtheit sehr anziehend für eine elitäre, technokratische und disruptive Startup-Kultur.”

Er schlägt weitere Untersuchungen vor um herauszufinden, wie die Technologie derart implementiert wird, daß sie die “wahren Schwierigkeiten, die Menschen in unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten” beachtet.

BTC-Echo

Quelle: UN Paper: Pushing Bitcoin for Third World Issues is ‚Techno Colonialism‘ via CoinDesk


Bildquellen

  • Quelle: Wikipedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Small_Flag_of_the_United_Nations_ZP.svg): Wikipedia
  • Safenhaft. Der Mann raucht irgendwie das falsche Zeug. Wahrscheinlich würde er auch sagen, dass das (angenommen) gerade eben erfundene sogenannte „Wasser“ nicht das richtige Mittel gegen Durst ist und damit den Schampus ersetzen könnte, weil es auf dem Planeten Menschen gibt, die erschwerten Zugang zu Tassen haben.

    • André

      Ich verstehe die Argumentation des Artikels auch nicht. Billige Geld-Transaktionen innerhalb und in 3.-Welt-Länder hinein schaffen viele Möglichkeiten für die Menschen, neue Strukturen zu schaffen, an dem korrupten System/den Banken vorbei.
      Ich könnte z.B. einem Kleinunternehmer in Afrika ohne Aufwand finanziell unterstützen.
      Bzgl. Internetzugang wird hier einfach gelogen. Mobiles Zahlen ist in Afrika sehr verbreiten: http://www.zeit.de/digital/internet/2013-03/afrika-mobilfunk-wirtschaft